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Kulturleitbild Oberösterreich | GESAMTTEXT
TEIL 1: Standortbestimmung, Ziele, Visionen
1. Zielsetzungen
Kulturelle Innovation und kulturelle Identität stellen heute einen
wesentlichen Faktor der gesellschaftlichen Entwicklung dar. Über
Kultur und ihre inhaltliche Ausrichtungen und Schwerpunkte zu
diskutieren bedeutet, über das Sein des Menschen als
schöpferisches und soziales Wesen zu reden. Ethisch-moralische
Fragestellungen spielen in diesem Kontext ebenso eine Rolle wie
ästhetische Positionen und politische Werthaltungen. In einer
demokratischen Gesellschaft wird über diese Fragestellungen und
Werthaltungen öffentlich verhandelt: in Universitäten,
Kulturinstitutionen, Religionsgemeinschaften, Vereinen und
Interessensverbänden, aber auch in Parlamenten, Medien,
Diskussionsforen, in der Familie, in der Schule, am Arbeitsplatz, unter
Freunden.
Das Kulturleitbild Oberösterreich ermöglicht eine freie und
offene kulturelle Weiterentwicklung unseres Landes, unter
größtmöglicher Beteiligung der Bevölkerung.
Diskutiert wurde der Stellenwert von Kunst und Kultur in unserer
Gesellschaft, in unserem Bundesland. Das Ergebnis ist ein
kulturpolitisches Grundsatzpapier in vier Teilen:
Teil 1 stellt die allgemeinen Zielsetzungen der oö. Kulturpolitik,
das gegenwärtige Kulturgeschehen sowie Schwerpunktsetzungen der
Kulturarbeit der nächsten 15 Jahre dar. Dieser Teil ist als
allgemeiner Handlungsrahmen für die Kulturpolitik und aller am
Kulturgeschehen Beteiligten gedacht. Teil 2 beinhaltet
Kulturperspektiven mit konkreten Zielsetzungen, Maßnahmen und
Projektvorschlägen als Ergebnis des 2007 geführten
Diskussionsprozesses "Kulturleitbild Oberösterreich". Dieser
Abschnitt ist als Ideenpapier definiert, aus dem die Kulturpolitik
Anregungen übernimmt und Schwerpunkte setzt, an dessen
Verwirklichung aber letztlich alle am Kulturleben Beteiligten arbeiten
können. Teil 3 gibt einen Überblick über die
gesetzlichen Rahmenbedingungen der Kultur auf europäischer,
nationaler und regionaler Ebene und Teil 4 dokumentiert
schließlich den Kulturleitbild-Prozess.
Der Kulturleitbild-Prozess bedeutete einen offenen und breiten Diskurs
über Themen der Zukunft. Dabei wurden der Stellenwert von
Kulturarbeit in Oberösterreich deutlich gemacht, die derzeitigen
Stärken der kulturellen Szenen herausgearbeitet, Defizite
aufgespürt und diskutiert sowie Maßnahmen zur
Weiterentwicklung des kulturellen Lebens mit den Beteiligten
ausgearbeitet.
2. Grundsätze und Bekenntnisse
der oö. Kulturpolitik
2.1. Überlegungen zum
Kulturbegriff
Kultur im weitesten Sinn ist die Gestaltung des Lebens und der
Lebensformen in Vergangenheit und Gegenwart. Kultur ist nicht nur die
Summe der menschlichen Aktivitäten, sie formt, verändert,
pflegt und bewahrt auch den natürlichen Lebensraum der Menschen.
Kultur wird in der Freizeit-, Bildungs- und Wissensgesellschaft
verwirklicht, bietet Lebensqualität und schafft die Basis für
ein menschenwürdiges Dasein.
Zum enger gefassten Kulturbegriff gehören einerseits die
verschiedenen Kunstsparten wie Musik, bildende und darstellende Kunst,
Literatur, Foto- und Filmkunst, Neue Medien, Architektur und Baukultur
sowie genre- und spartenübergreifende Kunstformen, andererseits
verschiedene Träger und Institutionen von Kultur, wie z.B.: Museen
und Archive, Theater-, Literatur- und Ausstellungshäuser, Kunst-
und Kulturfestivals, die volkskulturellen Verbände und Vereine
sowie die Kulturinitiativen. Als weitere unverzichtbare Kulturfaktoren
sind die religiösen Gemeinschaften, die Institutionen der Bildung,
Wissenschaft und Forschung sowie alle das Kulturerbe bewahrenden
Aktivitäten und Maßnahmen zu nennen, die das kulturelle
Denken und Handeln in Gegenwart und Zukunft definieren und
mitbestimmen. Diese Kernelemente der Kultur sind unmittelbarer, aber
nicht ausschließlicher Bezugspunkt der Kulturpolitik und
Kulturförderung.
Kulturpolitik versteht sich wiederum als eine Summe von
Aktivitäten und Maßnahmen, die Rahmenbedingungen schafft, in
denen Kultur gedeihen kann, und so zur positiven Entwicklung der
Gesellschaft im humanistischen Sinn beiträgt. Der Demokratie
verpflichtet schließt richtig verstandene Kulturpolitik alle
Bevölkerungsgruppen und Generationen in ihre Arbeit und
Zielvorstellungen ein, fördert die soziale Integration, schafft
einen Orientierungsrahmen und gibt Anstöße für
Weiterentwicklungen und Veränderungen in der Gesellschaft.
Kulturpolitik ist Demokratie- und Gesellschaftspolitik.
2.2. Leitlinien der oö.
Kulturpolitik
Die Kulturpolitik des Landes OÖ bekennt sich zu folgenden
Grundsätzen:
Freie Entfaltung von Kunst und Kultur als Grundlage einer
demokratischen Gesellschaft
- Das Land Oberösterreich bekennt sich zu seinem
Kulturauftrag . Die Förderung von Bildung und Kultur gehört
zu den gesetzlich formulierten Kernaufgaben der Landespolitik. Der
öffentliche Beitrag zur Kulturfinanzierung ist und bleibt
unverzichtbare Basis für das bestehende und zukünftige
kulturelle Angebot und Schaffen im Land.
- Das Land Oberösterreich bekennt sich zur
Freiheit von Kunst und Kultur. Die Förderung kultureller
Aktivitäten geht von der Prämisse eines humanistischen
Menschenbildes aus. Alle Formen des Rassismus, menschenverachtender
oder religiös diffamierender Handlungen sind von dieser
Förderung ausgeschlossen .
- Das Land Oberösterreich bekennt sich zur
Vielfalt von Kunst und Kultur und unterstützt die
schöpferischen Kräfte auf breitester Basis und in allen
Gesellschaftsschichten. Die Verbreiterung der kulturellen Basis ist
dabei ebenso ein elementares Anliegen wie die Steigerung der
Qualität und die daraus abgeleitete Entwicklung zur Spitze.
- Das Land Oberösterreich bekennt sich zum Recht
der Menschen auf Partizipation am kulturellen Leben und zur
Weiterentwicklung des kulturellen Angebotes in allen Regionen des
Landes.
- Das Land Oberösterreich bekennt sich zur
Förderung der Selbstentfaltung der Persönlichkeit durch
schöpferische Tätigkeit mit dem Ziel der weiteren
Humanisierung der Gesellschaft.
- Das Land Oberösterreich bekennt sich zur
Gleichstellung der Geschlechter, die auch im Kulturbereich umzusetzen
ist.
- Das Land Oberösterreich bekennt sich zur
kulturellen Förderung von Minderheiten und benachteiligten
Gruppen. Migrantinnen und Migranten, ethnischen Minoritäten,
Flüchtlingen, Kindern und Jugendlichen, Seniorinnen und Senioren,
Menschen mit Behinderungen und sozialen Randgruppen wird die aktive
Teilhabe am kulturellen Leben ermöglicht.
Umfassende Förderung des kulturellen und künstlerischen
Potenzials
- Das Land Oberösterreich bekennt sich zur
Förderung der Gegenwartskunst und des zeitgenössischen
kulturellen Schaffens. Besonders unterstützt werden innovative
Ansätze in Kunst und Kultur, die abseits der etablierten
Einrichtungen und Initiativen tätig sind.
- Das Land Oberösterreich bekennt sich zum
Erhalt, zur Belebung und Weiterentwicklung des kulturellen Erbes und
der Volkskultur als Teil des gegenwärtigen kulturellen
Selbstverständnisses.
- Das Land Oberösterreich fördert die
Sicherung und Erforschung der materiellen und immateriellen
Kulturgüter des Landes sowie den Zugang zu ihnen.
- Das Land Oberösterreich bekennt sich zu allen
Maßnahmen, die der Kunst- und Kulturvermittlung dienen und das
Verständnis für zeitgenössisches Kulturschaffen sowie
die Bedeutung des kulturellen Erbes fördern.
- Das Land Oberösterreich bekennt sich zum Ziel,
dass möglichst viele Menschen befähigt werden, am kulturellen
Leben in Oberösterreich teilzunehmen.
Stärkung der kulturellen Infrastruktur und internationalen Kontakte
- Das Land Oberösterreich bekennt sich zum
Kulturaustausch insbesondere in der Europäischen Union und
darüber hinaus zum Ausbau internationaler Kulturkontakte.
- Das Land Oberösterreich bekennt sich zum
weiteren Auf- und Ausbau der kulturellen Infrastruktur in
Oberösterreich und zur Vernetzung der regionalen Kulturinitiativen.
- Das Land Oberösterreich bekennt sich zur
Förderung von Bildung, Wissenschaft und Forschung, um den
geistig-kulturellen, wirtschaftlichen und sozialen Fortschritt in
unserem Land sicher zu stellen.
- Das Land Oberösterreich bekennt sich zur
Förderung und Belebung der Kultur- und Kreativwirtschaft.
- Das Land Oberösterreich bekennt sich zur
Förderung der Kulturtourismus- und Freizeitwirtschaft.
3. Vielfalt, Offenheit und
Qualität - Standortbestimmung von Oberösterreichs Kultur
3.1. Flächendeckendes
Kulturangebot in Oberösterreich
Die Kulturpolitik der letzten drei Jahrzehnte war geprägt von der
Schaffung eines möglichst flächendeckenden Kulturangebots in
allen Regionen Oberösterreichs. Ziel war und ist die Sicherung des
Zugangs zu Kultur, Wissenschaft und Bildung im ganzen Land. Beispiele
dafür sind die Förderung der Kulturvereine und -initiativen,
der Künstlervereinigungen, der Freien Tanz- und Theaterszene,
zahlreicher Festival- und Kulturveranstalter, der regionalen
Kulturhäuser sowie der Universitäten, Bildungseinrichtungen,
Archive und Bibliotheken. Nicht zuletzt zählen hier auch das
OÖ. Landesmusikschulwerk sowie die OÖ. Landesausstellungen
dazu.
Eine gewisse Sonderstellung nimmt die Landeshauptstadt Linz ein. Hier
sind wichtige städtische, landeseigene und bundesstaatliche
Bildungs- und Kulturstätten konzentriert. Die Ausstrahlungskraft
dieser Institutionen auf das ganze Land ist unbestritten. Alle diese
Einrichtungen erwecken mit zahlreichen Aktivitäten und Angeboten
überregionale Aufmerksamkeit und Zustimmung.
Im Zuge der Durchführung des Projektes "Europäische
Kulturhauptstadt Linz 2009", des Baus eines Neuen Musiktheaters, des
Neubaus der Anton Bruckner Privatuniversität sowie der
Erweiterungsbauten im Schlossmuseum, Ars Electronica Center und in der
OÖ. Landesbibliothek wurde/wird der Kulturstandort Linz nicht nur
weiter aufgewertet, sondern wurden/werden auch umfassende Investitionen
in die kulturelle Infrastruktur des Landes Oberösterreich
vorgenommen, welche die kulturellen Leitbetriebe Oberösterreichs
auf internationaler Ebene konkurrenzfähiger machen. Die
Kulturpolitik des Landes Oberösterreich war und ist aber auch
immer besonders bestrebt, die kulturelle Nahversorgung in allen
Regionen Oberösterreichs zu fördern und weiterzuentwickeln.
Sichtbares Zeichen des Erfolgs sind die vielen Kulturvereine und
-initiativen im ländlichen Raum, die regionalen Kulturhäuser
und Zentren mit ihren überregional bedeutsamen Kulturangeboten,
die vielfältige Festival- und Kulturveranstalterszene sowie ein
fast flächendeckendes Angebot an Landesmusikschulen,
Büchereien, musealen Einrichtungen und Archiven.
Das Land Oberösterreich garantiert somit, dass nahezu alle
Bevölkerungsgruppen an kulturellen Entwicklungen partizipieren
können. Die generelle Ausrichtung der Landeskulturpolitik auf eine
Dezentralisierung des Kulturangebotes verfolgt das Ziel, in den
Regionen die kulturelle Nahversorgung zu sichern und somit
Lebensqualität für alle Bürgerinnen und Bürger zu
garantieren. Die kulturellen Aktivitäten in der Landeshauptstadt
gehen nicht zu Lasten der Regionen, sondern stehen in einer
Wechselwirkung mit ihnen. Im Regelfall ergänzen kulturelle
Angebote im Bundesland einander sinnvoll.
3.2. Stellenwert von Kunst und Kultur
in Oberösterreich
Die Kulturförderung in Oberösterreich konzentriert sich auf
die Sicherung von Vielfalt, Breite und Qualität unter besonderer
Berücksichtigung von Nischenangeboten. Vorrangige Zielsetzung ist
auch hier die Integration von Kunst und Kultur in allen
gesellschaftlichen Bereichen und Regionen Oberösterreichs. Die
Folge ist eine auch durch Umfragen immer wieder bestätigte hohe
Zufriedenheit der kulturinteressierten Bevölkerung mit dem
kulturellen Klima im Land. Es gibt eine hohe Akzeptanz in der
Bevölkerung im Hinblick auf die Kulturinvestitionen des Landes
Oberösterreich und im Hinblick auf Breite und Qualität des
kulturellen Angebots.
Ein weiteres Kennzeichen der oberösterreichischen Kulturpolitik
ist die Ausgewogenheit zwischen Förderung der Spitze,
Begabtenförderung und Förderung der breiten Basis. Die
Landeskulturpreise sowie Stipendien und Wettbewerbe unterstützen
und bestätigen Begabte sowie Spitzenrepräsentanten aus Kunst,
Kultur und Wissenschaft. Die Volkshochschulen und
Landesbildungszentren, die Verbände und Vereine des OÖ. Forum
Volkskultur sowie das OÖ. Landesmusikschulwerk und die Schulen mit
kulturellen Schwerpunkten sind wiederum wichtige
Interessensvertretungen und Institutionen, die in die Breite wirken und
animieren, schöpferisch tätig zu werden. Als Basis dafür
dient nicht zuletzt die breit gefächerte und geförderte
Kulturarbeit in den oberösterreichischen Schulen,
Kindergärten und Horten.
Vom OÖ. Landesmusikschulwerk zum
Bruckner Orchester Linz
Das OÖ. Landesmusikschulwerk stellt zusammen mit der Musikschule
der Stadt Linz das in diesem Bereich umfassendste Ausbildungsnetz
seiner Art in Europa dar. Wie das Musikschulwesen so wirken auch die
verschiedenen Musikvereine und Chorverbände, der OÖ.
Blasmusikverband sowie private Musikensembles in die Breite.
Oberösterreich ist somit ein Land der Musik und des aktiven
Musizierens.
An der Spitze dieses Feldes agiert das Bruckner Orchester Linz, das mit
seinen vielen internationalen Auftritten und Konzertreisen immer wieder
die besonderen Leistungen des Musiklandes Oberösterreich
unterstreicht. Mit der Orchesterwerkstatt move.on verfügt das
Bruckner Orchester außerdem über ein Vermittlungsprojekt,
das im deutschen Sprachraum zahlreiche Nachahmer findet und auf
internationalen Kongressen als "Best-Practice-Modell" präsentiert
wird.
Das Musikland Oberösterreich zeichnet sich aber auch durch eine
Reihe von sehr spezifischen, vornehmlich in den Sommermonaten
stattfindenden Musikfestivals aus, die den Bogen von der Barockmusik
über die Kammermusik bis hin zur Operette, aber auch
zeitgenössischer Musik spannen.
Künstlerinnen und Künstler:
Bildende Kunst, Musik und Literatur
Ein weiterer Indikator des guten Kulturklimas in Oberösterreich
sind jene international erfolgreichen Künstlerinnen und
Künstler, die in Oberösterreich geboren wurden oder hier
ihren Lebensmittelpunkt haben. Oberösterreich kann aber auch auf
eine Reihe international hoch geschätzter Künstlerinnen und
Künstler der Vergangenheit verweisen. Neben dem historischen
Dreigestirn Anton Bruckner, Adalbert Stifter und Alfred Kubin sind vor
allem Thomas Bernhard, Marlen Haushofer und Margret Bilger zu nennen.
Die zeitgenössische Kunstszene in Oberösterreich wird nicht
nur sichtbar durch renommierte und international erfolgreiche
Künstlerinnen und Künstler, sondern auch durch
Interessenvertretungen wie die Autorenverbände, die
Künstlerverbände und -vereinigungen oder den oö.
Komponistenbund. Dazu kommt eine rege Galerie-, Konzert- und
Literaturveranstalterszene, wobei hier die Festivals und
Kulturhäuser in den Regionen sowie das Brucknerhaus Linz, die
Landesgalerie, das OK Offenes Kulturhaus Oberösterreich, das
Lentos Kunstmuseum Linz sowie das StifterHaus Linz eine zentrale Rolle
spielen.
Zeitkultur in den Regionen
Neben der Offenheit gegenüber den Künsten und dem breiten
Ansatz in der Förderung ist für Oberösterreich die starke
Präsenz der zeitgenössischen Kultur ein weiteres spezifishces Merkmal.
Hoch qualifizierte Kulturakteurinnen und -akteure sind in
verschiedenen Szenen engagiert, die u.a. als Vermittlerinnen und
Vermittler zwischen dem zeitgenössischen Kulturangebot und der
oberösterreichischen Bevölkerung fungieren. Neben der
Schaffung und Aufrechterhaltung einer am zeitgenössischen
Kulturschaffen orientierten Infrastruktur (z.B. Kulturhäuser,
Programmkinos) werden von den Kulturinitiativen wichtige
gesellschaftspolitische Fragestellungen aufgeworfen und im kulturellen
Kontext besprochen, wie z.B. Gender Mainstreaming und Partizipation von
gesellschaftlichen Randgruppen. Durch ihre Gestaltungskraft und ihre
strukturelle Offenheit schaffen Kulturinitiativen Möglichkeiten
des Austausches und fungieren als Motor im Kontext einer regionalen
Entwicklung. Spezielle Communities entfalten hier ihre Aktivitäten
(Bsp. HipHop, moderne Volksmusik) und bereiten das Feld auf für
neue und innovative Formen der kulturellen Betätigung. Als
Dachverband, Interessenvertretung und Netzwerk all dieser Initiativen
agiert seit 1986 die KUPF - Kulturplattform Oberösterreich, die
zahlreiche Kulturinitiativen aus den verschiedenen Bereichen der
Zeitkultur vertritt und die ständige Verbesserung der
Rahmenbedingungen für freie Kulturarbeit zum Ziel hat.
Das Festival der Regionen, das seit 1993 im biennalen Rhythmus
ausgetragen wird und eines der größten zeitgenössischen
Kulturfestivals in Österreich ist, setzt mit seinen
gesellschaftlichen, politischen und künstlerischen Fragestellungen
und den daraus entwickelten ortspezifischen Projekten wichtige Impulse
in den einzelnen Regionen. Dem entspricht auf volkskultureller Seite
das ebenfalls im Zweijahresrhythmus abgehaltene Fest der Volkskultur,
wobei die Zeitkultur generell eine besondere Bereicherung durch
entsprechende Angebote der Gemeinschaften der Volkskultur erfährt.
Museen und museale Einrichtungen
Die Museumslandschaft Oberösterreich verfügt mit ihren ca.
280 Museen und Sammlungen über eine breite Themenvielfalt, die
kulturelle Leistungen der Vergangenheit und der Gegenwart durch
Sammeln, Erforschen, Bewahren, Vermitteln und Ausstellen einer breiten
Öffentlichkeit zugänglich und sichtbar macht.
Die Museen Oberösterreichs sind als Entwickler und als Träger
der kulturellen Identität des Landes von grundlegender Bedeutung.
Sie bewahren und vermitteln das Kultur- und Naturerbe
Oberösterreichs, sie informieren und bilden, bieten Erlebnisse,
fördern Aufgeschlossenheit, Toleranz und den gesellschaftlichen
Austausch. Dabei beschränken sich die oberösterreichischen
Museen nicht auf die historische Rückschau, sondern begreifen die
Auseinandersetzung mit der Geschichte als Herausforderung für die
Gegenwart und Zukunft. Die oberösterreichischen Museen sind nicht
zuletzt auch aktiver Bestandteil der Freizeitwirtschaft und bieten
Unterhaltung. 2001 wurde als Interessensgemeinschaft und
Serviceeinrichtung für die Museen des Bundeslandes
Oberösterreich der Verbund OÖ. Museen gegründet.
Theater und darstellende Kunst
Oberösterreich kann auf eine lange Theatertradition verweisen, die
auf das 16. und 17. Jahrhundert zurückgeht. Die
größte Bühne Oberösterreichs, das Landestheater
Linz, hat sich als eine der besten und innovativsten Theaterbühnen
Österreichs etabliert. Zahlreiche Produktionen aus Linz werden zu
internationalen Festivals eingeladen. In der Theaterarbeit mit Kindern
und Jugendlichen ist der "u\hof: Theater für junges Publikum" als
eigenständige Bühne des Landestheaters längst eine
wichtige und unverzichtbare Institution. Das Theaterhaus ist u.a. in
das Internationale Theaterfestival SCHÄXPIR eingebunden, das seit
2002 im Regelfall im biennalen Rhythmus als eines der
größten europäischen Theaterfestivals für junges
Publikum stattfindet. Mit dem neuen Musiktheater wird das Landestheater
ab 2011 auch ein eigenes Haus für Oper, Operette und Musical
besitzen.
Für Mut zu Experimenten und für neue Wege steht das Theater
Phönix Linz. 1989 gegründet, entwickelte es sich im Lauf der
Jahre zu einer der wichtigsten Freien Bühnen des deutschsprachigen
Raums. Darüber hinaus machen aber auch zahlreiche kleinere
Bühnen, die Freie Tanz- und Theaterszene sowie Theaterfestivals
und Sommertheaterveranstaltungen Oberösterreich zu einer wichtigen
Region in der Theaterlandschaft Österreichs.
Ehrenamtliches Engagement
Ein weiteres Kennzeichen des kulturellen Lebens in Oberösterreich
ist die ehrenamtliche Tätigkeit vieler Menschen, die sich in
Büchereien, Vereinen, Institutionen, Kulturinitiativen,
religiösen Gruppen und Gemeinschaften betätigen.
Ehrenamtliche Tätigkeit ist nicht bloße
Freizeitbeschäftigung, sondern die Gestaltung der eigenen
Lebenswelt im regionalen und kommunalen Kontext. Sie bedeutet
Lebensqualität in den Gemeinden und Regionen. Ein Blick auf die
unterschiedlichen Ausrichtungen und Schwerpunkte der Vereine,
Kulturinitiativen und Arbeitsgemeinschaften macht deutlich, dass
insbesondere die Chor- und Musikvereine, die in jeder Gemeinde
Oberösterreichs vertreten sind, den größten Anteil der
in Vereinen organisierten Mitglieder stellen. Das ehrenamtliche
Engagement umfasst dabei keineswegs allein die Traditionspflege,
sondern auch zeitgenössische Kulturformen.
Volkskultur in Oberösterreich
Im OÖ. Forum Volkskultur, der Interessenvertretung der
volkskulturell tätigen Vereine und Verbände in
Oberösterreich, ist ein Großteil des volkskulturellen Lebens
in Oberösterreich organisiert: in insgesamt 23 volkskulturellen
Verbänden mit ca. 3.500 volkskulturell tätigen Vereine und
Arbeitsgemeinschaften. Das OÖ. Forum Volkskultur ist
Sprachrohr der Volkskultur in Oberösterreich und verfolgt das
Ziel, die Bedeutung gelebter Volkskultur im kulturellen Leben des
Landes Oberösterreich zu verankern und in die Zukunft zu tragen.
Träger der Volkskultur in Oberösterreich sind die
volkskulturellen Verbände, Vereine und Gruppen. Ihnen obliegt die
Bewahrung, Pflege und Weiterentwicklung der volkskulturellen Vielfalt.
Die volkskulturellen Verbände sind somit neben den vielen
sonstigen Kulturvereinen und den Kulturinitiativen ein maßgeblich
mit gestaltender Teil des kulturellen Lebens und als solcher
mitverantwortlich für das weitgehend konfliktfreie, offene
kulturelle Klima und die hohe Akzeptanz von Kultur in
Oberösterreich. Im Vordergrund der Tätigkeit der
volkskulturellen Vereine und Verbände steht eine Orientierung am
langfristigen kulturellen Nutzen und ein Denken in Generationen. Ziel
ist auch, einerseits die regionalen Identitäten im Zeitalter der
Globalisierung beizubehalten, andererseits der europäischen und
weltweiten Vielfalt offen zu begegnen.
3.3. Oberösterreich - eine
prosperierende europäische Region
Oberösterreich ist wirtschaftlich gesehen eine der erfolgreichsten
und äußerst prosperierenden Regionen Europas. Ausbildung und
Forschung sind zukunftsorientiert ausgerichtet. Neben vier
Universitäten, die europaweit in verschiedenen Bereichen
Spitzenpositionen einnehmen und im europäischen
Universitätsnetzwerk gefragte Partner sind, gibt es eine Reihe von
Fachhochschulen, zwei Pädagogische Hochschulen und ein
leistungsstarkes Schulwesen.
Neben einem global konkurrenzfähigen Wissens- und
Ausbildungsangebot bietet Oberösterreich in vielen Einrichtungen
der Volksbildung, der Berufsbildung, in Büchereien, Vereinen und
Initiativen aber auch Angebote im Bereich des Sinn- und
Orientierungswissens. Dabei geht es um die Aufmerksamkeit für die
wesentlichen Zusammenhänge des Lebens, um die Balance zwischen den
Anforderungen einer modernen Leistungs- und Wissensgesellschaft und der
Ebene der zwischenmenschlichen Beziehungen und einer humanen
Lebensgestaltung.
High-Tech-Standort Oberösterreich
Vor allem im Universitäts- und Fachhochschulbereich hat es
Oberösterreich geschafft, die Beschäftigung mit neuen
Technologien und Medien zu forcieren. Beispielhaft sei hier auf das
Mechatronik-Kompetenzzentrum an der Johannes Kepler Universität,
auf das Ars Electronica Futurelab, auf das RISC Hagenberg (= Research
Institute for Symbolic Computation), das im Verbund mit der
Fachhochschule Hagenberg und dem Software-Kompetenzzentrum den
Brennpunkt der anwendungsorientierten digitalen Technologieforschung
und -ausbildung in Oberösterreich bildet, und auf den "education
highway" verwiesen, der inner- und außerschulischen Informations-
und Serviceaustausch ermöglicht.
Wissenschaft und Forschung
Unverzichtbare Beiträge zum intellektuellen Leben
Oberösterreichs leisten die Universitäten, die
Fachhochschulen und neuerdings die Pädagogischen Hochschulen im
Lande. Die Geistes- und Kulturwissenschaften sind mit entsprechenden
Studien- und Forschungszweigen an der Johannes Kepler Universität,
an der Kunstuniversität, an der Katholisch-Theologischen
Privatuniversität, an der Anton Bruckner Privatuniversität
und an den Fach- und Pädagogischen Hochschulen in den
Wissenschafts- und Forschungsbetrieb gut integriert. Darüber
hinaus sind wissenschaftliche Einrichtungen des Landes und einiger
Städte, von verschiedenen Trägern organisierte Symposien,
Tagungen und Diskussionszirkel zu erwähnen, die unter großer
internationaler Beachtung und Beteiligung in verschiedenen Regionen
Oberösterreichs alljährlich abgehalten werden. Allerdings
gilt es, in den nächsten Jahren bestehende Angebote noch weiter
auszubauen und verstärkt Spitzenleistungen im Forschungsbereich zu
fördern.
OÖ. Landesgeschichte und
Landeskunde - Erforschung und Vermittlung
Ein umfassender Kulturbegriff kommt ohne Wissen um die Vergangenheit
nicht aus. Daher steht die Erforschung und Vermittlung der
oberösterreichischen Landesgeschichte seit jeher im Mittelpunkt
des Interesses der Kulturpolitik. Die Verständigung über die
Vergangenheit fördert im Hinblick auf das Verständnis der Gegenwart
und der Zukunft Orientierung und Gemeinschaft. Die Basis dafür
schaffen Forschungen im universitären Bereich, Arbeiten in den
Museen und Musealvereinen, den Institutionen des Denkmalschutzes, der
Gesellschaft für Landeskunde, dem Adalbert-Stifter-Institut, dem
Anton Bruckner Institut Linz sowie die Arbeit in den öffentlichen
und privaten Archiven, die als Kompetenzzentren und "Rohstofflager"
historischen Wissens fungieren. Nicht zuletzt bringen auch die
Anstrengungen der zahlreichen Heimatforscherinnen und -forscher
einschlägige Ergebnisse ein.
Bei der Vermittlung kommt neben dem Schulwesen vor allem dem OÖ.
Volksbildungswerk, den Volkshochschulen und den Landesbildungszentren
eine wichtige Funktion zu. Gedenktage und -jahre sowie
landesspezifische Jubiläen sind geeignete Anlässe, über
die Geschichte nachzudenken und besondere, identitätsstiftende
historische Ereignisse einer breiteren Bevölkerung ins
Gedächtnis zu rufen sowie insbesondere die Jugend in das
kulturelle Gedächtnis einer Gesellschaft einzuüben.
Investitionen in Kulturbauten
Das Land Oberösterreich investiert im Zusammenhang mit der
Europäischen Kulturhauptstadt Linz09 nachhaltig in eine Reihe von
Kulturbauten, insbesondere in den Um- bzw. Ausbau folgender
Landeskultureinrichtungen: Bau des Neuen Musiktheaters am Linzer
Blumauerplatz, Wiedererrichtung des Südflügels des
Schlossmuseums Linz, Neubau der Anton Bruckner Privatuniversität
sowie Sanierung und Erweiterung der OÖ. Landesbibliothek. Alle
diese Investitionen signalisieren nicht nur eine hohe
Wertschätzung für die Kultur, sondern sind Teil eines
Programms, das in Kulturentwicklung intensiviert und
Oberösterreich auch Standortvorteile für Wirtschafts- und
Forschungsinvestitionen verschafft.
Landeskulturbeirat und Netzwerke
Zu einer prosperierenden Kulturlandschaft gehören auch gelebte
Demokratie und Transparenz. Seit 1988 begleitet der Landeskulturbeirat
beratend die Kulturpolitik in Oberösterreich. Auch damit hat
Oberösterreich auf nationaler Ebene eine Vorreiterrolle
eingenommen. Es sind aber auch die vielen Kulturvereinigungen mit ihren
Plattformen anzuführen, welche die Interessen ihrer Mitglieder
vertreten und wichtige Ideen in die laufende kulturpolitische Diskussion
einbringen.
Identität und Unverwechselbarkeit
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Kultur der
Vergangenheit und Gegenwart für das Land Oberösterreich
Identität und Unverwechselbarkeit schafft mit nachhaltigem Nutzen
für die Lebensqualität der gesamten Bevölkerung. Dieser
Weg der Kulturpolitik Oberösterreichs, der das kulturelle Erbe mit
dem gegenwärtigen Kunst- und Kulturschaffen verknüpft, wird
daher weiter zu beschreiten sein.
4. Herausforderungen der Zukunft
4.1. Globalisierung und regionale
Identität
Die Auswirkungen der Globalisierung auf die Kunst- und Kulturszene
verlangen nach Strategien, die oberösterreichische Kunst- und
Kulturschaffende dabei unterstützen, die Chancen einer "global
community" nützen zu können. Die Unverwechselbarkeit der
Kulturlandschaft Oberösterreich ist dabei ein wichtiger
Orientierungsrahmen im Dienste eines zeitgemäßen,
weltoffenen, zukunftsorientierten Dialogs im globalen Zeitalter. Die
geistige und kulturelle Verankerung in der Region widerspricht also
nicht globalem Denken und Handeln, sondern steht in einem
Verhältnis wechselseitiger Anregung. Die Globalisierung erfordert,
das Regionale in seiner Eigenart und gleichzeitigen "globalen"
Vernetztheit zu sehen und zu fördern. So kann die kulturelle
Vielfalt des europäischen Raums lebendig erhalten und
weiterentwickelt werden.
4.2. Demokratie und Kulturpolitik
Zukunftsorientierte Kulturpolitik gewährleistet eine breite
Teilhabe an der Kulturarbeit und den Kulturangeboten sowie einen
offenen und freien Diskurs über die Gestaltung des kulturellen
Lebens in unserem Land. Mit dem Diskurs über das Kulturleitbild
Oberösterreich knüpft die Kulturpolitik an die Gründung
des Landeskulturbeirates an. An diesem mehrteilig angelegten Prozess
konnten sich alle kulturinteressierten Bürgerinnen und Bürger
beteiligen und Impulse und Anregungen einbringen. Das Ergebnis des
Diskussionsprozesses um die zukünftige Ausrichtung der
Kulturpolitik wird ab 2009 die Kulturarbeit des Landes
Oberösterreich prägen.
4.3. Kommerzialisierung und
Popularisierung?
Dem Trend, nur kommerziell verwertbare, also "vermarktbare"
Kulturarbeit und -produkte als gesellschaftlich wertvoll zu erachten,
tritt die Landeskulturpolitik seit Jahren mit einer Stärkung aller
nichtkommerziellen Kulturangebote entgegen. Kultur beschränkt sich
also nicht nur auf Konsum großer Ereignisse oder auf
Repräsentation und Populäres, sondern drückt sich u.a.
auch in künstlerischer Nachwuchsarbeit, ehrenamtlicher
Tätigkeit, in theater- und medienpädagogischer Arbeit aus.
Die Förderung des Landesmusikschulwesens sowie volks- und
zeitkultureller Vereine gehört hier ebenso dazu wie Investitionen
in wissenschaftliche und archivische Einrichtungen und
Förderprogramme für Gegenwartskunst.
5. Schwerpunkte der Kulturarbeit
5.1. Zeitgenössische Kunst und
Kultur
Die Dynamik des Kulturlebens verlangt von der Kulturpolitik flexible
Reaktionen auf kulturelle Veränderungsprozesse und somit Spielraum
für zukunftsorientierte Entwicklungen. Die Förderung der
zeitgenössischen Kunst und Kultur bleibt ein zentraler Schwerpunkt
der Kulturpolitik. Neben den traditionellen Sparten der
zeitgenössischen Kunst gewinnen Medienkunst und inter- und
transdisziplinäre Kunstformen an Bedeutung. Sie stehen für
die in den letzten Jahren zu beobachtende Entwicklung in Richtung
Vernetzung und Verzahnung von bisher eher autark agierenden Kunst- und
Kultursparten. Auch Projekte an der Schnittstelle Soziales und Kultur
sowie Wissenschaft und Kunst sind dabei zu berücksichtigen.
Weiters bedarf es der Entwicklung verbindlicher Qualitätsstandards
für die Baukultur, um das Bewusstsein im Umgang mit dem
baukulturellen Erbe und dem zeitgenössischen Bauen insbesondere
bei öffentlichen Bauten zu schärfen.
Neben den vielen Kulturinitiativen, die sich explizit der
Förderung der Gegenwartskultur widmen, tragen auch Vereine,
Initiativen, Projekte und Kulturinstitutionen aktiv zu einer
Neuinterpretation des vergangenen künstlerischen und kulturellen
Schaffens bei und setzen neue Impulse für das kulturelle Leben
unseres Landes, u.a. durch Fragestellungen zu gesellschaftlichen
Werthaltungen und durch neue künstlerische Positionen.
5.2. Kulturelles Erbe und Tradition
Die Förderung der Kultur verlangt, geistige und materielle
Leistungen der Vergangenheit zu bewahren und zu erschließen.
Diese überlieferten Kulturgüter umfassen mobile und immobile
materielle, aber auch immaterielle Kulturgüter, schriftliche und
mündlich tradierte Kulturleistungen sowie kulturelle
Gepflogenheiten in Brauchtum und Sprache. Deren Erhaltung, Belebung und
Weiterentwicklung schließt die Pflege der wissenschaftlichen
Kulturgüter ebenso ein wie die überlieferten und
bewahrungswürdigen Zeugnisse der Lebensformen früherer
Generationen. Diese Kulturgüter werden systematisch digital zu
erfassen sein.
Im Kontext des kulturellen Erbes kommt neben der Denkmalpflege, den
Museen, Archiven und Bibliotheken, den wissenschaftlichen Instituten
und Universitäten auch den Verbänden der Volkskultur eine
besondere Bedeutung zu. Zeitgemäße Volkskulturarbeit umfasst
die Bewahrung und Pflege des kulturellen Erbes in ihrer jeweils
regional geprägten Eigenart, jedoch auch die kreative
Auseinandersetzung mit dieser regionalen Kultur und ihrer
Weiterentwicklung im Spannungsfeld zwischen Tradition und Innovation.
Diese "Brückenfunktion" der Volkskultur spiegelt sich wider in der
Vielfalt volkskultureller Äußerungsformen der Gemeinden,
Vereine und Verbände.
5.3. Gender Mainstreaming und
Förderung der Kultur von Frauen
Zu den kulturpolitischen Zielsetzungen des Landes Oberösterreich
gehört die völlige Gleichstellung der Geschlechter im Kultur-
und Kunstbereich. Ungleichheit soll beseitigt und die Gleichstellung
von Männern und Frauen gefördert werden.
Die volle Gleichberechtigung zwischen den Geschlechtern setzt u.a.
voraus, dass Frauen und Männer gleichermaßen von den
Gütern, Ressourcen und Chancen der Gesellschaft profitieren und
daraus Nutzen ziehen können. Die Kulturpolitik hat daher auf allen
Ebenen für Gender Ausgewogenheit zu sorgen und diesbezügliche
Defizite abzubauen.
Das spezielle Augenmerk für Kunst- und - Kulturprojekte von Frauen
muss solange Teil der Kulturpolitik sein, bis die Gleichstellung der
Geschlechter gelebte Praxis ist. Die Kulturpolitik hat daher jene
Rahmenbedingungen zu schaffen, die Frauen ein selbstbestimmtes
künstlerisches bzw. kulturelles Schaffen ermöglichen.
5.4. Kunst- und Kulturvermittlung als
Bildungsauftrag
Eine primäre Aufgabe aller Bildungs- und Kultureinrichtungen im
Land heißt Kunst- und Kulturvermittlung. Sie wird auch von privat
geführten Museen, Archiven, Galerien, Kunstwerkstätten,
Literatur-, Musik- und Theaterveranstaltern, Kunstmessen sowie von
Kulturinitiativen und -vereinen geleistet, zu deren weiteren Ausbau
sich die oö. Kulturpolitik bekennt. Diese Einrichtungen und
Angebote bilden für kulturelle Bildung die Schnittstelle zwischen
Kulturkonsument und Kulturanbieter. Sie stärken die
künstlerisch-gestalterischen Kompetenzen ebenso wie die
Persönlichkeitsentwicklung und die soziale Integration.
Kunst- und Kulturvermittlung des Landes Oberösterreich wird u.a.
in Schulen durch die Unterstützung von Kunstbegegnungen
gefördert. Die Basis dafür sind entsprechende
qualitätsvolle Bildungsangebote in die Aus- und Weiterbildung der
Lehrerschaft. Darüber hinaus sind das OÖ. Volksbildungswerk,
die vom Land Oberösterreich, dem OÖ. Forum Volkskultur und
dem OÖ. Volksbildungswerk getragene Akademie der Volkskultur, die
OÖ. Vokalakademie, die Volkshochschulen, Büchereien und
Bibliotheken, Erwachsenenbildungseinrichtungen sowie
Landesbildungszentren wichtige "Nahversorger" für Bildung und
Kultur, die maßgeschneiderte Bildungs- und Kulturangebote
anbieten.
5.5. Kulturelle Bildung in und
außerhalb der Schule
Bildung gehört zu den Voraussetzungen für eine selbstbestimmte
Gestaltung des Lebens sowie für ein
verantwortungsvolles, solidarisches Miteinander in einer demokratischen
Gesellschaft. Bildung bereichert die kulturellen Kompetenzen der
Menschen und eröffnet neue Möglichkeiten der aktiven Teilhabe
am kulturellen Geschehen.
Die Auseinandersetzung mit Kunst und Kultur vermittelt in den
Bildungseinrichtungen nicht nur Schüsselkompetenzen wie kritisches
Denken, Sprachfähigkeit, Kreativität, Bereitschaft zur
Initiative und problemlösungsorientiertes Handeln, sondern
trägt auch zu einer ästhetischen, ethischen und ganzheitlich
orientierten Persönlichkeitsentwicklung bei, z.B. in der
Begegnung mit Kunst und Kultur in Büchereien, Museen oder
Musikschulen. Dabei sollte der kulturellen Bildung im Vorschulalter und
in der Frühförderung verstärkte Aufmerksamkeit
entgegengebracht werden.
5.6. Wissenschaft und Forschung
Der bildungspolitische Diskurs um Wissensgesellschaft,
Bildungsoffensive und lebenslanges Lernen in einer hoch
spezialisierten, fortschrittlichen Industriegesellschaft fordern die
politischen Entscheidungsträger heraus. Oberösterreich hat als
High-Tech-Industrieland die Zeichen der Zeit rechtzeitig erkannt und
mit der Gründung von Universitäten und der Errichtung von
Fachhochschulen entscheidende Schritte zur Erweiterung eines
zukunftsorientierten Bildungs- und Wissenschaftssystems gesetzt. Als
Fortsetzung dieser Entwicklung wird mittel- bis langfristig eine
Medizinische Universität gesehen. Weitere Schritte zur Erweiterung
des universitären Lehrangebots werden in naher Zukunft zu setzen
sein, in besonderer Weise auf dem Gebiet der Geisteswissenschaften.
Bestehende Lehr- und Forschungsprojekte an der Johannes Kepler
Universität, der Kunstuniversität, der
Katholisch-Theologischen Privatuniversität, der Anton Bruckner
Privatuniversität, den Fachhoch- und den Pädagogischen
Hochschulen sind weiter auszubauen und zu vernetzen. Auch die
landeseigenen Kulturinstitutionen bringen ihre Bildungsangebote und ihr
wissenschaftliches Know-how angemessen ein und sind somit Teil des
intellektuellen Lebens unseres Landes.
5.7. Kulturelle Nahversorger in den
Regionen
Das Prinzip der Dezentralisierung folgt der freien Wahl des
Lebensmittelpunktes der Bürgerinnen und Bürger. Der
prozentual größte Anteil der Oberösterreicherinnen und
Oberösterreicher lebt außerhalb der Ballungsräume
größerer Städte . Das kulturelle Leben findet in der
Regel am Wohnort statt. Es sind vor allem die lokalen kulturellen
Initiativen, die das kulturelle Alltagsangebot bestimmen. Die
dezentrale Kulturförderung folgt dieser kulturellen Praxis und
fördert die regionale kulturelle Infrastruktur.
Oberösterreich hat dadurch starke regionale Zentren von
überregionaler Bedeutung mit Kulturstätten,
Kulturhäusern und hervorragenden Festivals sowie eine Vielzahl
kultureller Nahversorger, zu denen u.a. die Landesmusikschulen,
Landesbildungszentren, Bibliotheken, Büchereien und Kulturvereine
zählen. Die Stärkung dieser regionalen Zentren und
kulturellen Nahversorger bleibt ein wichtiges Ziel der Kulturpolitik
des Landes Oberösterreich. Dazu zählen auch die Volkskultur-
und Brauchtumsvereine, die mit ihren Aktivitäten zur spezifischen
Ausprägung und Identität der oberösterreichischen Kultur
beitragen. Regionale Kulturarbeit ist Kultur aus dem Ort für den
Ort.
5.8. Internationaler Austausch und
Kooperationen
Die Kulturförderpolitik des Landes trachtet einerseits, die
oberösterreichische Kunst- und Kulturszene strukturell und
finanziell bestmöglich zu unterstützen, um im internationalen
Kontext noch stärker im Spitzenfeld wahrgenommen zu werden,
andererseits aber auch den Austausch und die Begegnung mit dem
internationalen Raum zu fördern. Damit sollen die Positionierung
Oberösterreichs als europäische Kulturregion mit
eigenständigem Profil und die verstärkte Ausrichtung der
oberösterreichischen Kunst- und Kulturszene an internationalen
Standards erreicht werden. In den nächsten Jahren soll daher der
Austausch von Kunst- und Kulturprojekten auf internationaler Ebene
intensiviert werden. Diese Ausrichtung umfasst auch die aktive
Teilnahme an der Europäischen Kulturentwicklung, z.B. durch die
Europäische Kulturhauptstadt Linz 2009, an den Institutionen der
Europäischen Union und auch an anderen europaweiten Netzwerken und
Zusammenschlüssen. Darüber hinaus werden die Initiativen der
UNESCO aufmerksam und aktiv verfolgt.
5.9. Weiterentwicklung der kulturellen
Infrastruktur
In den nächsten Jahren plant das Land Oberösterreich eine
Reihe von Großinvestitionen in die Infrastruktur der
landeseigenen Kultureinrichtungen. Einerseits geht es um eine
Modernisierung und zeitgemäße Adaptierung für ein
adäquates Kulturangebot im 21. Jahrhundert, andererseits auch um
die Bereitstellung von mehr Raumkapazitäten und eine
zeitgemäße und besucherfreundliche Infrastruktur (Foyers,
Lifte, Akustik etc.). Diese Investitionen stellen einen Meilenstein in
der kulturellen Weiterentwicklung des Landes dar.
Starke und nachhaltige Impulse für das Kulturangebot in
Oberösterreich sind vor allem mit dem Bau des Neuen Musiktheaters
und der Wiedererrichtung des Südflügels am Schlossmuseum zu
erwarten. Will sich Oberösterreich als moderne,
zukunftsorientierte europäische Region positionieren, so sind
Kunst und Kultur unentbehrliche "weiche" Standortfaktoren, die mit
darüber entscheiden, wie eine Region für Investitionen
wahrgenommen wird.
Zur Verbesserung der Infrastruktur werden auch die Vernetzung und
Digitalisierung des Kulturerbes beitragen.
5.10. Kultur und Medien
Medien spielen bei der Vermittlung von Kunst und Kultur eine
unverzichtbare Rolle und nehmen im demokratischen
Meinungsbildungsprozess eine zentrale Stellung ein. Nur eine
pluralistische Medienlandschaft spiegelt die unterschiedlichen
Standpunkte und Meinungen aus dem Bereich Kultur wider. Minderheiten-
und Nischenprogramme sollten in der kulturellen Berichterstattung von
kommerziellen und nichtkommerziellen Medien ebenso Platz haben wie die
Information über große kulturelle Events und Ereignisse.
Eine besondere Rolle und Verantwortung kommt dabei dem
öffentlich-rechtlichen Rundfunk zu.
Neben den traditionellen Medien (Printmedien, Radio, TV) hat in den
letzten Jahren die Bedeutung der Neuen Medien stark zugenommen. Diesem
Trend muss die Kulturpolitik mit entsprechenden Förderangeboten im
Bereich der Neuen Medienkunst, der Medienpädagogik und der
Infrastruktur begegnen.
5.11. Kinder- und Jugendkultur
Die Generationen der Kinder und Jugendlichen von heute bilden die
Gesellschaft der Erwachsenen von morgen. Kulturelle Kompetenzen, im
Kindes- und Jugendalter erlernt und erworben, werden auch von den
künftigen Erwachsenengenerationen beherrscht. Die Entwicklung
eines Kinder- und Jugendkulturkonzeptes 1999 diente deshalb vorrangig
dem Ziel, generationenübergreifend kultur- und bildungspolitische
Perspektiven für eine den humanistischen Grundsätzen
verpflichtete kulturelle Bildung der Kinder und Jugendlichen zu
entwickeln.
Kinder- und Jugendkultur bilden seitdem einen eigenen Schwerpunkt der
Landeskulturpolitik. Sie sind in den Landesinstitutionen gelebte
Praxis. Neben der Verbesserung der Fördersituation für freie
Kinder- und Jugendkulturprojekte bereichern auch die Kinder- und
Jugendkulturschwerpunkte in allen landeseigenen Kulturinstitutionen das
kinder- und jugendkulturelle Angebot in Oberösterreich.
5.12. Kultur und Seniorinnen und
Senioren
Jeder dritte Österreicher wird in absehbarer Zeit der Gruppe der
Seniorinnen und Senioren angehören. Die Lebenszeit "Alter" dauert
länger als "Kindheit und Jugend" zusammen. Eine Kultur des
generationenübergreifenden Miteinanders soll daher durch die
Schaffung von gesellschaftspolitisch relevanten Rahmenbedingungen
besonders unterstützt werden. Darüber hinaus müssen die
spezifischen Bedürfnisse älterer Menschen im kulturellen
Angebot noch stärker beachtet werden.
5.13. Förderung der kulturellen
Teilhabe bestimmter Bevölkerungsgruppen
Der offene Zugang und die Teilhabe an der kulturellen Entwicklung und
den kulturellen Angeboten in Oberösterreich für
benachteiligte Bevölkerungsgruppen (z.B. Menschen mit
Behinderungen) gehört ebenso zu den Zielen der Kulturpolitik des
Landes Oberösterreich wie die Integration verschiedener
Randgruppen und Minderheiten (z.B. Migrantinnen und Migranten,
ethnische Minoritäten und Flüchtlinge). Integration bedeutet
Mitgestaltung, Dabei-sein, Mitten-drin-sein. Integration heißt
aber auch, mit der eigenen Identität wahrgenommen und respektiert
zu werden. Voraussetzung dafür sind Dialogbereitschaft und der
Wille zur Veränderung bei den Minderheiten und in der
Mehrheitsbevölkerung. Bestehende Vorurteile sind zu hinterfragen.
An deren Abbau ist aktiv zu arbeiten. Gesellschaftlicher,
wirtschaftlicher, sozialer und rechtlicher Diskriminierung ist
entgegenzutreten.
Darüber hinaus muss die Beteiligung und Teilnahme am kulturellen
Geschehen allen Menschen unabhängig von Einkommen, sozialem
Status, sexueller Orientierung und religiösem Bekenntnis
ermöglicht werden.
5.14. Kultur und Wirtschaft
Oberösterreich hat durch seine erfolgreiche Exportpolitik - rund
60 % der erzeugten Produkte werden exportiert - weit reichende
internationale Wirtschaftsbeziehungen und Netzwerke aufgebaut. Viele
internationale Unternehmen investieren in Oberösterreich. Ein
attraktives kulturelles Umfeld ist eines von mehreren
Entscheidungskriterien bei der Standortwahl eines Unternehmens. Der
Imagefaktor "Kultur und Kunst" hat sich als weicher Standortfaktor
für die Wirtschaft erwiesen. Für ein Unternehmen
signalisieren daher Kultur- und Kunstangebote sowie ein attraktives
kulturelles Umfeld, dass Bewegung und Kreativpotential in einer Region
vorhanden sind. Eine Vision ist daher, Oberösterreich als
kreativen Wirtschaftsstandort international noch stärker zu
positionieren.
Die Kultur stellt einen wirtschaftlich messbaren Faktor für
Oberösterreich dar. Daher muss Kultur als maßgeblicher
Bestandteil des oberösterreichischen Wirtschaftspotenzials im
Bewusstsein der Menschen verankert werden.
5.15. Kulturtouristische Impulse
Die Grenzen zwischen touristischem und kulturtouristischem
Marktverhalten und Angeboten sind fließend. Kulturangebote werden
vom Tourismus immer mehr wahr- und angenommen. Vor allem der
Städtetourismus und der Kultureventtourismus sind stark
nachgefragte Angebotsschienen, wobei in der Angebotspalette die
Kulturdenkmäler, das traditionelle Brauchtum und das klassische
Kunstrepertoire die führende Rolle einnehmen. Kulturtouristische
Angebote richten sich aber nicht nur an Gäste und Kulturreisende
aus dem In- und Ausland, sondern in gleicher Weise an Tagestouristen
aus Oberösterreich und seinen Nachbarregionen. Bei den
Landesausstellungen sind es in erheblichem Umfang diese Tagestouristen,
die zu einer Belebung der Tourismus- und Freizeitwirtschaft beitragen.
Das Zusammenspiel von Tourismus und Kultur bewirkt immer auch
Wertschöpfung für eine Region. Kulturelle Investitionen
für die touristische Entwicklung sollten immer im Sinne der
Nachhaltigkeit erfolgen.
Die behutsame Annäherung zwischen Kunst- und Kulturschaffenden
sowie dem Tourismus ist eines der Ziele der Kulturpolitik. Es wird dabei
Bedacht genommen, dass künstlerische Belange und touristische
Zielsetzungen partnerschaftlich aufeinander abgestimmt werden. Vom
Ausbau und der Förderung des Kulturtourismus profitieren auch
Oberösterreichs Künstlerinnen und Künstler sowie
Kulturschaffende, wenn es gelingt, das zeitgenössische Kunst- und
Kulturschaffen verstärkt in touristische Angebotsschienen zu
integrieren, ohne damit die Autonomie der Kunst und Kultur aufzugeben.
5.16. Kultur- und Kunstsponsoring
Das gestiegene Interesse an Kunst und Kultur zeigt sich in den
Besucherzahlen österreichischer Museen, Ausstellungen,
Theateraufführungen und Konzerten. Ohne Sponsoren-Hilfe
hätten jedoch bereits in den vergangenen Jahren viele Projekte im
Kulturbereich nicht finanziert werden können. Das Volumen des
Kunstsponsorings der österreichischen Wirtschaft wird von den
"Initiativen Wirtschaft für Kunst" (IWK) auf rund 43 Millionen
Euro im Jahr geschätzt. Firmen-Sponsoring kann aber nur eine
Ergänzung der öffentlichen Kulturförderung sein. Die
kulturelle Grundversorgung hat der Staat zu garantieren. Dennoch sind
gesetzliche Rahmenbedingungen anzustreben, die Kultur- und
Kunstsponsoring für Firmen attraktiver machen.
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| |  | | © 2006/07 Amt der oö. Landesregierung, Landeskulturdirektion . Promenade 37 . A-4021 Linz . ++43 +70 7720 14875 |
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