Kulturleitbild 
Oberösterreich
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TEIL 2: Perspektiven, Maßnahmen, Projektvorschläge

Im Zuge des Diskussionsprozesses zum Kulturleitbild Oberösterreich (Februar 2007 - Juni 2008) wurde eine Reihe von Vorschlägen eingebracht, die vom Redaktionsteam des Kulturleitbildes Oberösterreich gesammelt, ausgewertet und zusammengefasst wurden. Der Landeskulturbeirat hat nach eingehender Prüfung entsprechende Beschlüsse gefasst, die nun im 2. Teil des Kulturleitbildes nachlesbar sind. Sie beinhalten Zielsetzungen, mögliche Maßnahmen und Projektvorschläge, die zur Umsetzung der Leitlinien und Schwerpunkte der oö. Kulturarbeit (s. Teil 1) beitragen könnten. Sie stellen ein Ideenpapier für die gesamte Kunst- und Kulturszene Oberösterreichs dar, aus dessen Fundus alle aktiv am Kulturgeschehen Beteiligten auswählen können. Das Land Oberösterreich versteht sich als Förderer, der subsidiär unterstützt. Die oö. Kulturpolitik wird dort Schwerpunkte und Maßnahmen setzen, wo das Land OÖ. unmittelbar zuständig ist (z.B. Landeskultureinrichtungen, Verwaltungsebene). Für diese Projekte oder Maßnahmen werden die entsprechenden kulturpolitischen Entscheidungen getroffen.


6.1. Zeitgenössische Kunst und Kultur

Kulturförderung allgemein
  • Verstärkte Sichtbarmachung und Förderung von Spitzenleistungen in Oberösterreichs Kunst und Kultur
  • Einrichtung eines eigenen Förderprogramms für innovative Kultur- und Medienprojekte. Dazu wird für verschiedene Sparten gemeinsam mit dem Landeskulturbeirat ein Ausschreibungstext verfasst. Die Fördervergabe erfolgt durch Juryentscheid.
  • Längerfristige Unterstützung der strukturellen Basis von Kulturinitiativen und  Vernetzungsprojekten
  • Neukonzeption der bestehenden Musikfeste zu einem Linz / Oberösterreich-Festival, um ein unverwechselbares Spitzenfestival der Musik zu etablieren
  • Maßnahmen zur Unterstützung der regionalen Kinokultur in Oberösterreich
  • Spezielle Förderung von Kulturprojekten von Menschen mit Migrationshintergrund sowie von ethnischen Minoritäten und Flüchtlingen
  • Unterstützung des Aufbaus einer Diskussionsplattform für kulturpolitisch relevante Diskurse und Aktivitäten unter Einbeziehung des Landeskulturbeirates und seiner Fachbeiräte
Kunstförderung
  • Einführung eines eigenen Förderansatzes für inter- und transdisziplinäre Kunstformen zur Stärkung innovativer künstlerischer Leistungen der Gegenwart
  • Verstärkung des Förderschwerpunktes für zeitgenössische Musik
  • Verstärkte Förderung der zeitgenössischen bildenden Kunst in den Regionen, u.a. durch Förderung von Vermittlungsprogrammen
  • Verstärkte Berücksichtigung und Einbeziehung der zeitgenössischen bildenden Kunst und Baukultur bei den OÖ. Landesausstellungen
  • Verbesserung der Präsentationsmöglichkeiten für junge zeitgenössische Kunst aller Sparten und Disziplinen
  • Unterstützung der Errichtung einer praxisnahen Organisationsplattform für die Freie Tanz- und Theaterszene
  • Spezielle Förderung von Veranstaltungen mit den jeweils aktuellen Kulturpreisträgerinnen und -trägern (einschließlich der Empfänger der Talentförderungsprämien)
  • Verbesserung der Fördersituation und -strukturen für den Kunstfilm zugunsten des in Oberösterreich vorhandenen filmkünstlerischen Potenzials
  • Verstärkte Bewusstseinsbildung für und Förderung von Projekten der bildenden Kunst durch Neureglung von "Kunst am Bau" im Sinne einer Erweiterung zu Kunst im öffentlichen Raum
  • Verstärkung der fachlichen Beratung von Gemeinden für Projekte der bildenden Kunst im öffentlichen Raum
Architektur und Baukultur
  • Förderung der Dokumentation der oberösterreichischen Architekturgeschichte der jüngeren Vergangenheit und Gegenwart
  • Weiterentwicklung und Erweiterung des Aufgabenfeldes "Kunst am Bau" zur gesamtheitlichen Betrachtung des Themenfeldes "Baukultur", vor allem im Hinblick auf topografisch-räumliche, wirtschaftlich-funktionale und gesellschaftliche Auswirkungen von Bauen und Architektur
  • Vernetzung und Intensivierung der Architekturvermittlung durch den Ortsbildbeirat, der auf Gemeindeebene - mit entsprechender Nähe zu Bürgerinnen und Bürgern und unter Einbeziehung von Behörden, qualifizierten Bauschaffenden sowie Künstlerinnen und Künstlern - entscheidungsvorbereitende Öffentlichkeits- und Kulturarbeit leistet
  • Maßnahmen zur Erhaltung und Belebung der Ortskerne und Ortsplätze als kulturelle und soziale Drehscheiben
  • Verankerung von Qualitätsstandards für öffentliche Bauten
  • Gezielte Förderung von Projekten und Bauvorhaben, die gestalterisch und in der Nutzungsform experimentelle Wege aufzeigen
  • Etablierung eines Bauherrenpreises für ambitioniertes, qualitätsvolles Bauen

6.2. Kulturelles Erbe und Tradition

Kulturelles Erbe allgemein
  • Maßnahmen zur Erhaltung, zeitgemäßen Vermittlung und wissenschaftlichen Erschließung des materiellen und immateriellen Kulturerbes
  • Sicherung des Bestandes an Kulturgütern in Museen, Archiven, Dokumentationen und öffentlichen Sammlungen. Diese Bestandssicherung ist auf ihre Wirksamkeit, Angemessenheit und Nachhaltigkeit durch geeignete Evaluationsverfahren zu prüfen.
  • Erhaltung des kulturellen Erbes unter Bedachtnahme auf bisher noch nicht als schützenswürdig erkannte oder anerkannte kulturelle Güter. Digitale Kulturgüter und digitales Kultur- und Kunstschaffen sind dabei besonders zu berücksichtigen.
  • Verstärkte Verankerung der geistes- und kulturwissenschaftlichen sowie der landeskundlichen Forschung in Oberösterreich als Teil der zeitgemäßen Auseinandersetzung mit dem kulturellen Erbe
  • Maßnahmen zur Sicherung des materiellen und immateriellen Alltagskulturgutes, z.B. alter Handwerksfertigkeiten, alter Handarbeitskünste, Kleindenkmäler, Mundart
  • Verstärkte Information und Beratung für die Erhaltung der Kulturgüter auf regionaler Ebene, um schützenswertes Kulturgut auch abseits von rein denkmalpflegerischen Maßnahmen und Vorgaben erhalten zu können
Museen und Archive
  • Entwurf eines Oberösterreichischen Museumsgesetzes, das den Schutz, die Förderung und die Wertschätzung der Museumsarbeit langfristig gewährleistet
  • Verstärkte Förderung der Bearbeitung und digitalen Erfassung der Kulturgüter in Oberösterreich durch die flächendeckende Inventarisierung aller Museumsobjekte und Archivbestände und die Erarbeitung und Erstellung eines digitalen Kulturgüterkatasters für Oberösterreich
  • Unterstützung für die Vernetzung und Betreuung der regionalen Museumslandschaften und deren Marketing
  • Maßnahmen zur kontinuierlichen konservatorischen und restauratorischen Betreuung der Bestände von Museen und Archiven
  • Unterstützung einer umfassenden PR-Kampagne für die oberösterreichische Museums- und Archivlandschaft
  • Wirtschaftliche Beratung und Qualifizierung für Museen, um ihren finanziellen Spielraum zu vergrößern
Archäologie
  • Verbesserung der Kenntnisse über alle vorhandenen archäologisch bedeutsamen Fundstellen Oberösterreichs, um sie ausreichend schützen, bewahren, erforschen und vermitteln zu können
  • Verstärkte Förderung archäologischer Forschungsprojekte mit Oberösterreich-Bezug
  • Unterstützung der Aufnahme des Donaulimes und der Altstadt Steyr in die Liste des UNESCO-Weltkulturerbes
Volkskultur
  • Unterstützung für die Entwicklung eines professionellen gemeinsamen Auftritts der Volkskultur Oberösterreich, um das Interesse der Öffentlichkeit für ihre Bedeutung zu verbreitern
  • Öffnung der Volkskultur für neue Kommunikationsinhalte und -formen
  • Unterstützung für die Entwicklung des "Hauses der Volkskultur" zu einer offenen Begegnungsstätte
  • Weiterentwicklung der volkskulturellen Vereine im Hinblick auf internationalen Austausch mit europäischen Partnern
  • Verstärkte Vernetzung der volkskulturellen Arbeit mit dem Bereich des volkskulturellen Kunsthandwerks
  • Einführung einer Auszeichnung bzw. eines Gütesiegels für altes Handwerkswissen aus Oberösterreich in Zusammenarbeit mit der oberösterreichischen Wirtschaft
  • Erstellung von Rahmenbedingungen für die Dokumentation und Erforschung im Bereich der Volkskultur
Baukulturelles Erbe
  • Gesicherte Beachtung der Schnittstellenproblematik zwischen den Ansprüchen von kulturellem Erbe und zeitgenössischer Kunst und Kultur im Bereich von Städtebau und Architektur aufgrund ihrer langfristigen Wirksamkeit und Prägung des alltäglichen Lebensraumes
  • Maßnahmen zur Erhaltung des vielfältigen baukulturellen Erbes, insbesondere verschwindender Kategorien, wie z.B. bestimmter Bauernhofformen
  • Intensivierung der Vermittlung des kulturellen Wertes von Denkmälern
  • Stärkere Beachtung und Wertschätzung des baukulturellen Erbes im Hinblick auf die regionale und regionalhistorische Entwicklung

6.3. Gender Mainstreaming und Förderung der Kultur von Frauen

  • Umsetzung des Landeskonzepts des Gender Mainstreaming in allen Bereichen
  • Gender Gerechtigkeit bei der Erstellung des Kulturbudgets durch Umsetzung der Richtlinien des Landes OÖ. beim Gender Budgeting
  • Paritätische Besetzung aller Beiräte und Gremien im kulturellen Bereich. (z.B. Landeskulturbeirat, Jurys)
  • Förderung von Maßnahmen, die Projekte von Künstlerinnen und weiblichen Kulturschaffenden unterstützen, und besondere Berücksichtigung von Projekten, die sich mit frauenspezifischen Themen und Fragestellungen auseinander setzen
  • Stärkung des Bewusstseins für Gender sensible Kulturberichterstattung
  • Regelmäßige Umsetzung von frauenspezifischen Schwerpunkten bei kulturellen Großereignissen
  • Verstärkte Beachtung der Kulturleistungen von Frauen in Oberösterreichs Geschichte und Gegenwart, z.B. bei Namensgebungen kultureller Einrichtungen und Großveranstaltungen in Oberösterreich
  • Schwerpunktsetzung in der landeskundlichen Forschung auf die kulturellen Leistungen von Frauen

6.4. Kunst- und Kulturvermittlung als Bildungsauftrag

Kulturvermittlung allgemein
  • Forcierung der Kunst- und Kulturvermittlungsangebote unter besonderer Berücksichtigung der Zielgruppe Kinder und Jugendliche in allen kulturellen Einrichtungen, jedenfalls in Museen, Theatern und Kunstwerkstätten
  • Angebotserweiterung an Landesmusikschulen in den Regionen für darstellende und bildende Kunst sowie interdisziplinärer, spartenübergreifender Kunst- und Kulturvermittlungsangebote
  • Verstärkte Sensibilisierung der Menschen für zeitgenössische Baukultur anhand von Architekturvermittlung in den Bildungseinrichtungen
  • Unterstützung der Filmvermittlung (Förderung von Filmreihen, Festivals, Vorträge etc.), um das "Lesen" von Bildern im Medienzeitalter zu schulen und die dazugehörige Kulturgeschichte zu vermitteln
Volkskultur
  • Weiterentwicklung der "Akademie der Volkskultur" zu einer "Akademie für Volkskultur, Regionalkultur und Landeskunde Oberösterreichs"
  • Unterstützung der Ausbildung der Führungskräfte im Bereich Volkskultur
  • Förderung von Volksmusik, Volkstanz, Volkslied und Volkskunst, z.B. durch Unterrichtsangebote in den Landesmusikschulen, den Kindergärten und Schulen
  • Verstärkte Förderung der Jugendarbeit in den volkskulturellen Vereinen und Verbänden
Landeskunde
  • Verstärkte Digitalisierung historischen Schriftgutes sowie Erschließung und Vermittlung von Informationen, Quellen und Forschungsergebnissen zur oberösterreichischen Landeskunde/-geschichte über das Internet
  • Förderung der Aus- und Weiterbildung von archivinteressierten Personen sowie von Vermittlungsprogrammen in Archiven für alle Altersgruppen
  • Verstärkte Förderung der Beschäftigung der Jugend mit landeskundlichen Themen durch Kooperationen mit Schulen und Jugendorganisationen aus Anlass von Gedenktagen, -jahren und Jubiläen
  • Maßnahmen zur Verbesserung und Intensivierung von Vermittlungsangeboten an den oberösterreichischen KZ-Gedenkstätten
Aus- und Weiterbildung
  • Entwicklung eines Aufbaustudiengangs zur weiteren Professionalisierung der Kunst-, Architektur- und Kulturvermittlung an einer Universität bzw. Pädagogischen Hochschule in Oberösterreich. Dieser Studiengang sollte als modulares System aufgebaut und zertifiziert sein.
  • Installierung eines Graduierten-Lehrgangs "Musikvermittlung" an der Anton Bruckner Privatuniversität, der mit dem akademischen Grad "Master of Arts" abgeschlossen werden kann
  • Installierung von interuniversitären, interdisziplinären Doktoratsstudiengängen bzw. eines Doktoratskollegs im Sinne des "Doktorat neu" (laut Empfehlungen der Österreichischen Rektorenkonferenz zum Doktoratsstudium neu Wien, Oktober 2008) sowie Etablierung und Unterstützung von interdisziplinären, interuniversitären sowie internationalen Dissertationskomitees

6.5. Kulturelle Bildung in und außerhalb der Schule

  • Verstärkte interdisziplinäre Kooperation in der kulturellen Bildung zu Text, Bild und Musik zwischen Kindergärten, Schulen und außerschulischen Organisationen
  • Forcierung der Aus-, Fort- und Weiterbildungsangebote der Kindergartenpädagoginnen und -pädagogen sowie der Pflichtschullehrerinnen und -lehrer im Kunst- und Kulturvermittlungsbereich
  • Förderung von kreativen Prozessen bei Kindern und Jugendlichen durch Unterstützung von theater- und museumspädagogischen Projekten sowie Angeboten im Ausstellungsbereich in allen Bildungs- und Kultureinrichtungen
  • Weiterentwicklung der O.Ö. Leseoffensive "Netzwerk Lesen" mit dem Ziel, nachhaltig die Lesekompetenz der Schuljugend zu sichern
  • Maßnahmen zur Pflege der Mundart und des Volksliedes in Schule und Familie, u.a. durch Workshops bei Schullandwochen oder Ferienaktionen mit volkskulturellem Schwerpunkt
  • Entwicklung der Büchereien und Bibliotheken, u.a. durch die schrittweise Ausstattung mit Mediatheken und Internet zu Lernzentren und Treffpunkten, zu Veranstaltungsorten und Orten der Kulturvermittlung
  • Erarbeitung einer Art "Landkarte kultureller Bildung", die Institutionen der kulturellen Bildung, auch als Internetplattform, ausweist
  • Verstärkte Präsentation des Bibliotheksangebotes in der Öffentlichkeit u.a. durch Schaffung eines oberösterreichischen Bibliotheksportals im Internet
  • Unterstützung des weiteren Ausbaus der Vernetzung von Büchereien und Bibliotheken auf Basis der bestehenden Strukturen

6.6. Wissenschaft und Forschung

  • Verstärkte Sichtbarmachung und Förderung von Spitzenleistungen an Oberösterreichs Bildungs- und Forschungseinrichtungen
  • Verstärkung der Bemühungen um die Ausweitung des Angebots der bestehenden geistes- und kulturwissenschaftlichen Studienrichtungen an den Linzer Universitäten und Hochschulen. Zur Unterstützung sollte eine Kooperationsstelle eingerichtet werden, die das vernetzte Denken und Handeln in diesem Bereich fördert. Als langfristiges Ziel könnten von den bestehenden Universitäten, Hochschulen und Kulturinstituten gemeinsame, speziell definierte Baccalaureat-Studiengänge sowie aufeinander abgestimmte Master- und Doktoratsstudien angeboten werden. 
  • Maßnahmen zur Förderung landeskundlicher Forschung und wissenschaftlicher Bearbeitung landesgeschichtlicher Themen als Bestandteil des geisteswissenschaftlichen Studiums in fächer-, institutionen- und grenzüberschreitender Zusammenarbeit, um die oberösterreichische Landeskunde auf universitärer Ebene stärker zu verankern
  • Erschließung von Vor- und Nachlässen oberösterreichischer Autorinnen und Autoren: Nach dem Ausbau zum oberösterreichischen Literaturarchiv wird das StifterHaus Linz verstärkt vorhandene Vor- und Nachlässe wissenschaftlich erschließen

6.7. Kulturelle Nahversorger in den Regionen

  • Erfüllung des oberösterreichischen Musikschulplanes für den Vollausbaus der Landesmusikschulen und Ausbau der interdisziplinären, spartenübergreifenden Kunst- und Kulturvermittlungsangebote an den Landesmusikschulen im Hinblick auf eine verstärkte Dezentralisierung kultureller Bildungsangebote
  • Weiterentwicklung der OÖ. Landesausstellungen zur Belebung des kulturellen Erbes und der kulturellen Bildung sowie zu einer Schnittstelle des Kulturtourismus
  • Förderung von Aus- und Weiterbildungsmaßnahmen von Ehrenamtlichen, die im Kulturbereich tätig sind
  • Durchführung einer Kampagne "Kulturelles Ehrenamt", um die gestiegenen Anforderungen an das ehrenamtliche Personal in Kultureinrichtungen und den Wert dieser qualifizierten Arbeit öffentlich zu machen
  • Entwicklung eines Vernetzungskonzeptes der oberösterreichischen Kulturhäuser in den Regionen
  • Schaffung von Ansprechplattformen für regionale Kulturarbeiterinnen und -arbeiter, um eine bessere Serviceleistung für aktive, bestehende Kulturarbeit in den Regionen zu gewährleisten
  • Stärkung des Profils bestehender regionaler Festivals zur Förderung der regionalen kulturellen Infrastruktur
  • Maßnahmen zur Professionalisierung der Gemeindekulturpolitik durch Weiterbildungsangebote und Verstärkung der Bewusstseinsarbeit zu Themen der zeitgenössischen Kultur

6.8. Internationaler Austausch und Kooperationen

  • Weiterentwicklung der Auslandsstipendien und der Unterstützung von Auslandsaufenthalten für Künstlerinnen und Künstler
  • Förderung von bi- und multilateralen "artists-in-residence"-Programmen
  • Förderung des internationalen Austausches von zeitgenössischer Kunst und Baukultur, u.a. durch eine aktive Teilnahme am interregionalen kulturellen Austausch der Europäischen Regionen und der damit verbundenen grenzüberschreitenden und interregionalen kulturellen Zusammenarbeit (Erfahrungsaustausch sowie Know-how-Transfer in Kunst, Kultur und Verwaltung, Weiterentwicklung der EU-Förderinstrumentarien etc.)
  • Förderung des internationalen Austausches über beispielgebende Projekte in bisher unterrepräsentierten Kultursegmenten, z.B. Internationales Theaterfestival Schäxpir, Crossing Europe Filmfestival, YOUKI-Filmfestival
  • Neugestaltung und Intensivierung der Auslandskulturrepräsentationen des Landes OÖ. in der Breite der zeitgenössischen Kultursparten
  • Intensivierung des Kulturaustausches mit den Nachbarregionen Niederbayern und Südböhmen durch gemeinsame, mehrsprachige Präsentationsplattformen, kulturtouristische Projekte und Öffentlichkeitsarbeit
  • Fortführung von Regionalpartnerschaften und Förderung entwicklungspolitischer Netzwerke z.B. STRATCULT, ACCC - Austrian Czech Cultural Cooperation
  • Teilnahme an und Entwicklung von internationalen Kulturkooperationsprojekten und Vernetzungsstrukturen, z.B. zu frauenspezifischen Themen

6.9. Weiterentwicklung der kulturellen Infrastruktur

  • Errichtung eines Neuen Musiktheaters in Linz: Mit der Eröffnung des Neuen Musiktheaters wird es künftig in Linz möglich sein, alle heute verfügbaren Werke der Opern- und Musicalwelt aufführen zu können. Der Neubau stellt einen Zuwachs an Freizeit- und Unterhaltungsmöglichkeiten dar und soll zur Belebung des Tourismus beitragen.
  • Neubau der Anton Bruckner Privatuniversität: Die Planungen für den Neubau der Anton Bruckner Universität auf den "Hagengründen" in Urfahr-West werden konsequent vorangetrieben. Damit entsteht eine der modernsten Ausbildungsstätten für Musik, Schauspiel und Tanz in Österreich.
  • Ausbau der OÖ. Landesbibliothek: Durch die Sanierung und Erweiterung der OÖ. Landesbibliothek wird eine moderne, zukunftsorientierte Bibliothek entstehen, die in einem lese- und kundenfreundlichen Ambiente einlädt, sich barrierefrei in die Bücher- und Medienlandschaft zu vertiefen. Die Realisierung wird in zwei Etappen erfolgen.
  • Neueinrichtung eines digitalen Archivs im OÖ. Landesarchiv: Bei der Digitalisierung geht es nicht nur um die Auswahl des Archivmaterials und dessen Bereitstellung im Internet, sondern auch um die Integration der Archivleistungen in die digitalen Bearbeitungsvorgänge der Landesregierung.
  • Aufbau der Einrichtung "Die Kunstsammlung. Artothek des Landes OÖ.": Aus Kunstankäufen des Landeskulturreferates und der OÖ. Landesgalerie wird im Landeskulturzentrum Ursulinenhof die Artothek des Landes Oberösterreich eingerichtet. Damit verbunden sind u.a. die Möglichkeit der Leihe von Werken der bildenden Kunst sowie eine Verstärkung der Kunstvermittlung und -präsentation.
  • Gründung eines oö. Archivverbundes: Durch dezentrale Unterstützung und professionelle Begleitung soll dieser Verbund zur Erschließung und Förderung der bestehenden Archivlandschaft beitragen und den regionalen Zugang zur Geschichte und ihren Quellen verbessern, um dem Verlust von Kulturgut vorzubeugen.
  • Planung und Konzipierung eines Instituts für oberösterreichische Musik und Musikgeschichte: Dieses Institut soll Werke oberösterreichischer Komponistinnen und Komponisten der Gegenwart und Vergangenheit systematisch sammeln, archivieren, erforschen und vermitteln sowie Grundlagenforschung betreiben.
  • Digitalisierung des Wissens: Durch die Einrichtung einer interinstitutionell zusammengesetzten, zentral koordinierten Arbeitsgruppe werden die Vorschläge für Maßnahmen zur digitalen Dokumentation der zeitgenössischen, aktuellen Kultur-, Kunst- und Wissenschaftsproduktion sowie der Digitalisierung des Kulturerbes erarbeitet.
  • Aufbau einer Sammlung oberösterreichischer Medienkunst: Durch stärkere Vernetzung und Kooperation bestehender kultureller und wissenschaftlicher Einrichtungen der Medienkunst soll eine Sammlung oberösterreichischer Medienkunst aufgebaut werden.

6.10. Kultur und Medien

  • Verbesserung der Kulturinformation durch Schaffung einer oberösterreichweiten, benutzerfreundlichen Kulturveranstaltungsplattform im Internet und Intensivierung der kulturjournalistischen Arbeit im OÖ. Kulturbericht
  • Förderung von nichtkommerziellen Medienprojekten, die den offenen Zugang zu den Medien TV, Radio, Internet und die Qualifizierungen für alle Bevölkerungsschichten und Altersgruppen anbieten, um deren regionale Kulturproduktion zu unterstützen
  • Entwicklung eines Förderungsschwerpunkts für medienpädagogische Initiativen und Projekte
  • Mittelfristige Einrichtung eines - österreichweit einmaligen - kombinationspflichtigen Unterrichtsfaches Mediengestaltung an der Kunstuniversität Linz, um dem rasch zunehmenden Bedarf an pädagogischen Maßnahmen im Bereich der Mediengestaltung an den höheren Schulen Oberösterreichs nachzukommen

6.11. Kinder- und Jugendkultur

  • Verstärkte Förderung von Kunst- und Kulturprojekten, vor allem in Schulen und auf Gemeindeebene, die erkennbar auf die Bedürfnisse und Alterszielgruppen der Kinder und Jugendlichen Rücksicht nehmen und Kinder und Jugendliche animieren, selbst aktiv zu werden
  • Verstärkte Einbindung von Kindern und Jugendlichen in Entscheidungsprozesse auf Landes- und Gemeindeebene, die sie selbst betreffen, (z.B. Jurys, Planungsgruppen, Kuratoren)
  • Erweiterte Förderung von Kinder- und Jugendkulturangeboten in den Regionen und  von Projekten für Jugendliche in der Arbeitswelt (Lehrlinge), z.B. in Kooperation mit den Büchereien, den Gemeinden, den Pfarren
  • Ausbau der Förderung interkultureller Projekte und Begegnungen für in Oberösterreich lebende Kinder und Jugendliche
  • Entwicklungsbegleitende Förderungen von Kindern und Jugendlichen ethnischer Minoritäten unter Berücksichtigung der kulturellen Tradition
  • Ausbau integrativer kultureller Projekte für Kinder und Jugendliche mit und ohne Behinderungen
  • Etablierung eines Landeswettbewerbes "Jugend gestaltet" für verschiedene künstlerische Sparten wie Literatur, bildende und darstellende Kunst, Kunsthandwerk in Anlehnung an den Musikwettbewerb "Prima la Musica".
  • Informationsoffensive über Kulturangebote und Förderungsmöglichkeiten für Jugendliche.

6.12. Kultur und Seniorinnen und Senioren

  • Ausbau von Initiativen, Plattformen, Foren und Netzwerken zur Förderung von generationenübergreifenden Begegnungen zwischen Kindern, Jugendlichen und älteren Menschen und der Weiterbildung von Seniorinnen und Senioren
  • Berücksichtigung der Bedürfnisse älterer Menschen bei der Vermittlung des kulturellen Angebotes (z.B. Schriftgröße, Lautstärke, Lichtverhältnisse bei Ausstellungen und Veranstaltungen)
  • Förderung von speziellen Kulturangeboten in Seniorinnen- und Seniorenheimen sowie von Angeboten, die sich zeitlich und räumlich an den Bedürfnissen von Seniorinnen und Senioren orientieren

6.13. Förderung der kulturellen Teilhabe bestimmter Bevölkerungsgruppen

Kultur von und mit Menschen mit Behinderungen
  • Aktive Unterstützung von Menschen mit Behinderungen in ihrem kulturellen Selbstverständnis und Ausdruck, u.a. bei Aus- und Weiterbildung, in Kunst- und Kulturvermittlung sowie bei der Partizipation an öffentlichen Kulturveranstaltungen, z.B. Integratives Kulturfestival "sicht:wechsel"
  • "Barrierefreiheit" für alle Menschen mit Behinderungen bei allen landeseigenen Kulturveranstaltungen und in den Kulturhäusern
  • Entwicklung eines vernetzten Beratungs- und Infoservices im WWW über Angebote, Künstlerinnen und Künstler sowie Organisationen, die im Bereich der Kulturarbeit mit Menschen mit Behinderungen angesiedelt sind
  • Verstärkte Förderung von Projekten, die den Dialog zwischen behinderten und nichtbehinderten Personen verbessern
  • Ausbau der Qualifizierungsmaßnahmen jener, die im Kulturbereich für Menschen mit Behinderungen arbeiten
  • Verstärkte Maßnahmen zur Integration von Menschen mit Behinderungen im kulturellen Alltag, z.B. durch Präsentationen im Landestheater oder in den Landesmuseen
  • Verbesserung der Ausbildungssituation für künstlerisch begabte Menschen mit Behinderungen im Sinne fähigkeitsorientierter Ausbildung
  • Verstärkte Kooperation der Sozial- und Kulturabteilungen bei öffentlichen Fördervergaben für Projekte im Bereich Kultur von und mit Menschen mit Behinderungen
Kultur von und mit Migrantinnen und Migranten, ethnischen Minoritäten und Flüchtlingen
  • Integration und Partizipation von Migrantinnen und Migranten, ethnischer Minoritäten und Flüchtlinge im Kulturbereich unter Respektierung ihrer kulturellen, religiösen und sozialen Selbstbestimmung. Speziell kultur- und religionsübergreifende Projekte sollten im Sinne des Integrationsleitbildes des Landes Oberösterreich gefördert werden, um die wechselseitig bestehenden Barrieren und Schranken abzubauen
  • Förderung der Partizipation von Migrantinnen und Migranten, ethnischer Minoritäten und Flüchtlinge am kulturellen Leben durch Selbstrepräsentation und gleichberechtigten Zugang zu öffentlichen Ressourcen
  • Förderung der Entfaltung kultureller und künstlerischer Initiativen von Migrantinnen und Migranten, ethnischen Minoritäten und Flüchtlingen, die sich nicht ausschließlich an die eigenen Communities richten und innovative Ansätze verfolgen
  • Entwicklung von Kunst- und Kulturvermittlungskonzepten unter Mitwirkung von Migrantinnen und Migranten, ethnischen Minoritäten und Flüchtlingen, um den Zugang zu kulturellen Angeboten zu erleichtern
  • Förderung des Medienzugangs für Migrantinnen und Migranten, ethnische Minoritäten und Flüchtlinge als Kulturproduzentinnen und -produzenten und auch als Publikum
  • Förderung der Bewahrung und Vermittlung des kulturellen Erbes (z.B.: Sprache, Traditionen) ethnischer Minoritäten in Oberösterreich

6.14. Kultur und Wirtschaft

  • Verstärkung der Kulturarbeit in den Betrieben: Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter oberösterreichischer Betriebe sollten durch entsprechende Angebote für Kultur interessiert werden, die von den Betrieben selbst organisiert oder bereit gestellt werden.
  • Entwicklung von kulturellen "Visitenkarten" für die einzelnen Regionen: Die oberösterreichischen Regionen sollten über die Kultur eigene Profile entwickeln.
  • Förderung der Kooperation zwischen Kunst- und Kulturschaffenden und Unternehmen durch Schaffung einer gemeinsamen Plattform für Wirtschaftstreibende und Kunst- und Kulturschaffende
  • Öffentliche Darstellung und Weiterentwicklung des kreativwirtschaftlichen Potenzials in Oberösterreich (z.B. Industriedesign, qualitative Firmenevents)
  • Verstärkte Förderung projektbezogener Kooperationen zwischen Kultur und Wirtschaft
  • Etablierung neuartiger Kultur- und Wirtschaftsförderungsprogramme im Hinblick auf die geänderten Anforderungen und Bedürfnisse der Kreativwirtschaft
  • Entwicklung einer speziellen Beratung für Unternehmensgründung von Kreativen, insbesondere auf dem Weg in die Freiberuflichkeit
  • Verbesserung der Kommunikation zwischen kreativen Personen und Wirtschaftstreibenden (z. B. regionale Dialogforen, Tagungen über neue kreativwirtschaftliche Entwicklungen und Themen, Messen zur Präsentation kreativwirtschaftlicher Unternehmen und Einrichtungen)
  • Entwicklung internationaler und regionaler Austauschprogramme wie "creatives in residence" oder "artists in enterprises"
  • Stärkere Verankerung des oberösterreichischen Kunsthandwerkes in einem oberösterreichischen Museum
  • Verbesserung der Förderstrukturen für den kommerziellen Film und den anspruchsvollen Kinofilm in enger Zusammenarbeit mit der Wirtschaft und dem Tourismus einschließlich der Standortförderung nach wirtschaftlichen und branchenstärkenden Kriterien


6.15. Kulturtouristische Impulse

  • Intensivierung der Kooperation und Vernetzung zwischen den regionalen Tourismusverbänden und den regionalen Veranstaltern im Bereich von Kulturtourismus und -marketing, z.B. durch tourismusfreundliche Öffnungszeiten in Museen, Aus- und Weiterbildung im Bereich Kulturmarketing für Beschäftigte in Tourismus und Kultur im Zuge der Leader-Regionen
  • Verstärkte Entwicklung eines kulturtouristischen Marketings, das die kulturelle Identität und Profilierung der einzelnen Regionen im Sinne eines Erlebnisdesigns stärkt
  • Weitere Festigung von oberösterreichischen Kultur-Trademarks wie Bruckner Orchester, Brucknerfest, Ars Electronica Festival
  • Investitionen in Vermittlung, Vernetzung und gemeinsame Vermarktung der bestehenden und neuen Kulturinfrastruktur im Zentralraum, um die Investitionen in die neuen Kulturbauten langfristig abzusichern
  • Vorsorge für neue, national und international an Bedeutung gewinnende Sparten, wie z.B. Bildungstourismus, Kreativtourismus, Architekturtourismus
  • Erstellung eines oö. Kulturtourismuskonzeptes, um das strategische Denken im Kulturtourismus zu fördern und zu professionalisieren

6.16. Kultur- und Kunstsponsoring

  • Unterstützung und Entwicklung von Modellen zur privatwirtschaftlichen Finanzierung von Kulturprojekten ("Kulturkredit") in Verbindung mit Banken und Versicherungsanstalten
  • Initiativen zur verstärkten Mitsprache der Bundesländer in der Fördermittelvergabe des Bundes
  • Verbesserung der Anreize für das Kultursponsoring, vor allem durch steuerliche Anreize auf Bundesebene
  • Verstärkung des Bewusstseins für Imagewerte durch Kultur, die auch dem Aufbau einer eigenen Firmenidentität nützen
  • Einrichtung eines Universitätslehrganges für Marketing und Sponsoring an der Schnittstelle Kultur und Wirtschaft
 
 
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