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Kulturleitbild Oberösterreich | TERMINE
Protokoll der Informationsveranstaltung zum Kulturleitbild OÖ. vom
17. April 2007, Kulturhaus Pregarten Bruckmühle
Referent Dr. Julius Stieber wird in das Kulturhaus Pregarten
eingeladen, um mit Kulturverantwortlichen der Gemeinden Hagenberg,
Pregarten, Wartberg und Unterweitersdorf über kulturpolitische
Leitlinien des Landes Oberösterreichs zu diskutieren.
Aus der Grundlage des Diskussionspapiers "Kulturleitbild O.Ö.,
Willkommen zum Diskurs", das sich in sechs Kapitel unterteilt, greift
Dr. Stieber drei interessante kulturpolitische Fragestellungen auf,
die für die Region an Relevanz besitzen:
- Integration von MigrantInnen
- Kinder und Jugendkultur
- Zeitgenössische Kunst und Kultur
An Hand der anfangs durchgeführten Vorstellrunde der
TeilnehmerInnen gewinnt Dr. Stieber nicht nur einen ersten Einblick in
den Ist-Stand kultureller Aktivitäten, Angeboten und
persönlichen Praxisfeldern der Kulturverantwortlichen der vier
Gemeinden, sondern nimmt die Wünsche und durchwegs auch kritischen
Beobachtungen im laufenden Gespräch auf, beantwortet oder
kommentiert Themen wie Jugendkultur, Generationen,
Kulturförderungen oder Fragen zum Landesmusikschulwerk
Oberösterreich.
Integration von MigrantInnen
Es decken sich in der Berichterstattung der Gemeinden die Aussagen,
dass die bisweilen erbrachten Kulturangebote oder die integrativen
Maßnahmen mehr noch unterhaltungsimmanent gelagert sind und die
Initiativen sich in Form einer Gegenüberstellung und Betrachtung
der Ess- oder Tanzkultur sowie Wertschätzung der Volkskultur und
des Brauchtums organisiert sind. Im Erfassen der Topografie
erklärt sich allerdings, warum Menschen in diesem Lebensraum im
Vergleich zur Bezirkshauptstadt Freistadt noch weniger mit der Frage
des Miteinander Umgehens mit MigrantInnen konfrontiert sind. Hingegen
zeigt das Thema auch, dass Integration eine permanente Herausforderung
in den meisten Schulen darstellt, obwohl der Ausländeranteil hier
noch nicht als "Gruppierung" oder gar Bedrohung wahrgenommen wird.
Zukünftig liegt man allerdings in der Einschätzung richtig,
hier sich konkrete Schritte der Verständigung und des Dialogs zu
überlegen, die sich mit der bisherigen Praxis schon darin
unterscheidet, hier das Angebot einer bloßen
"Unterhaltungskultur" mit kritischer Reflexion zu ergänzen. In der
Diskussion wird auch festgestellt, dass oft die Kinder und Jugendlichen
wegen der besseren Sprachverständigung im Vorteil sind und sie
sich auch allein durch die Schulkontakte anders integrieren.
Außerdem kam die Anregung, dass vor allem die "Einheimischen"
mehr auf die MigrantInnen zugehen sollten.
Kinder und Jugendkultur
Kritischer beurteilt indessen die Gruppe Haltungen, Motivation und
Interessen der Jugendlichen. Sind Kinder durchschnittlich bis zum Alter
von 12 Jahren leichter für musische Vielfalt, Ausbildung oder
Kulturprojekte zu begeistern, verlagert sich später oft ihr
Interesse dahingehend, dass trotz der adäquaten Angebote,
Jugendräume und Freizeitplätze leer bleiben. Allgemein stimmt
man überein, dass es zur Entwicklung Jugendlicher an ausreichenden
Frei- und Handlungsräumen nicht fehlen sollte, die mitunter den
Erwachsenen nicht direkt sichtbar sind, jedoch wesentlicher Bestandteil
der Jungendlichen sind und bleiben. Die Gemeinden haben dafür auch
vorgesorgt und mittlerweile findet die Jugend in allen Orten ein
solches "Freizeitangebot" an Jugendzentren vor. Dieser Gedanke und der
Hinweis auf die Jugendräume bzw. -zentren sollten unbedingt noch
Platz im Arbeitspapier finden. Wobei es in Zukunft nicht an Ideen,
Angeboten und entsprechender Begleitung der Jugendlichen mangeln soll
und zum Kulturleitbild dazu gehört.
Hinzu mischt sich die Kritik am Angebot der Landesmusikschule, die
teilweise als zu antiquiert und "verschult" wahrgenommen und
dargestellt wird. Der Zeitpunkt einer maßgeblichen Reform zu
Gunsten einer ganzheitlichen musischen Erziehung scheint bisher
verpasst worden zu sein. Es fehlt an Angeboten im Bereich des
Schauspiels, der Bildenden Kunst ebenso, wie an Konzepten, wo die
individuelle sowie kollektive Förderung gleichsam Schritt
hält mit dem Zeitgeist und den Erwartungen auch der Musikvereine,
die mitunter über Nachwuchsmangel klagen. Gar nicht wahrgenommen
wird an der Landesmusikschule eine gezielte Umsetzung und Realisierung
eines Kulturauftrags, der für die Entwicklung der Jugendlichen,
aber auch für den Lebensraum vor Ort eine Bereicherung darstellen
kann. Es wird ein Tabuthema direkt angesprochen und diskutiert, wobei
aber die durch den langjährigen Aufbau der Landesmusikschule
hervorragende musikalische Position Oberösterreichs zu
unterstreichen ist. Oberösterreich nimmt in dieser Frage sogar
eine Vorbildhaltung im Vergleich zu den übrigen Bundesländern
ein. Eine grundsätzliche Reform der Landesmusikschule und damit
verknüpft die Frage nach dem Erfüllen des Kulturauftrages
unter Berücksichtigung und Einhaltung des Ausbau- und
Finanzierungsrahmens muss Bestandteil des Diskurses über das
Kulturleitbild OÖ. sein.
Zeitgenössische Kunst und Kultur
Dr. Stieber stellt die Frage nach der Akzeptanz und dem Umgang
mit Kunst in der Region. Die TeilnehmerInnen berichten von
Ausstellungstätigkeiten über einen Zeitraum von drei
Jahrzehnten am Beispiel der Galerie Cart in Pregarten oder von
Ausstellungsaktivitäten des Schlossvereins in Hagenberg oder die
Kunstvermittlung im Gusenleithnerhof in Unterweitersdorf.
Im Kulturhaus Bruckmühle werden seit 2004 Ausstellungen kuratiert
und Kunstvermittlungsprogramme ausgearbeitet. Die BesucherInnenanzahl
sowie das Interesse der Schulen des Bezirkes Freistadt zeigen am
Beispiel der hohen Besucherzahl auf, damit einen Bedarf abzudecken und
gleichzeitig einem Kunstauftrag nachzukommen. Probleme ergeben sich in
der Abgrenzung zwischen Laien oder HobbymalerInnen und akademisch
ausgebildeten Künstlerinnen und Künstlern. Aber auch
dafür wurden zwischenzeitlich neben den Ausstellungsangeboten in
Betrieben und Banken auch in öffentlich zugängigen
Räumen wie im Stadtamt Pregarten oder im Veranstaltungszentrum
Wartberg Möglichkeiten geschaffen.
Woran es in der Region wirklich mangelt sind Räumlichkeiten, wo
der Galeriebetrieb ungestört und ausschließlich
durchgeführt werden kann. Am Beispiel der Räume im Kulturhaus
Bruckmühle manifestiert sich das Problem in Form von
Benutzungsrechten und einer ausgewogenen Verteilung des Raumangebotes
mit der Landesmusikschule. Hier zwingt man die Bildende Kunst, sich
hinter Bildern zu verstecken, da der notwendige Freiraum für
Plastisches, Skulpturen, Objekte oder Installationen nicht
gebührend berücksichtigt wird. Das Verhältnis zwischen
einer zur Institution herangewachsenen Musikschule mit Beanspruchung
eines Drittels des Kulturbudgets O.Ö, und einem Angebot und
Auftrag der Bildenden Kunst von der Früherziehung über
Vermittlung der Gegenwartskunst bis hin zur Vorbereitung für die
höhere Reife ist kritisch zu hinterfragen und in
Oberösterreich unbedingt reformbedürftig.
Nachdem neben den zahlreichen Kulturinitiativen und Vereinen
mittlerweile mehrere große Kulturhäuser wie z.B. das
Kulturhaus Römerfeld in Windischgasten, das Kulturzentrum in
Kirchdorf, der Salzhof in Freistadt oder das Kulturhaus Bruckmühle
in Pregarten u.a. errichtet worden sind, sollten auch im
Diskussionspapier diese neuen Kulturräume angeführt sein.
Wenn sich auch die Häuser in Zielen, Aufgaben, Inhalten und
Größe unterscheiden, werden die Standorte mittel- oder
langfristig an der regionalen Kunst- und Kulturentwicklung wesentlich
mitwirken und mit gestalten. Abhängig davon wird allerdings sein,
ob die Häuser rechtzeitig durch wirksame Konzepte und Profile, von
der Erwartung einer bloßen Veranstaltungskultur losgelöst,
ihrem eigentlichem Kunst- und Kulturauftrag nachkommen. Dafür
benötigt es Instrumente und ausreichend Transparenz ebenso, wie
den guten Willen zur Zusammenarbeit zwischen der Landeskulturdirektion
und den einzelnen Kulturhäusern, um in Zukunft ausreichend
Strategien einzusetzen, um der gesellschaftlichen Entwicklung einer
"kulturellen Innovation" und "kulturellen Identität" nachzukommen.
Denn in der Frage einer regionalen Kulturentwicklung werden immer neben
einer "Konsumhaltung" und "Unterhaltungskultur" auch die
Fragestellungen nach der Ethik, nach den künstlerischen Positionen
und gesellschaftspolitischen Werthaltungen eine Rolle spielen.
Es gleicht demnach einem Paradigmenwechsel, wenn eine Partnerschaft
angesprochen ist, die gelebt werden will im Sinne einer
"wirkungsorientierten" Haltung.
e.h. Roman Scheuchenegger
18.4.2007
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