|
|
|
 |
|
|
 |
| |
| |
Kulturleitbild Oberösterreich | TERMINE
Protokoll der Regionaldiskussion Traunviertel zum Kulturleitbild
OÖ., 30. Mai 2007, Kurhaus Bad Hall
Themenbereich Zeitgenössische Kunst & Kultur
- 80 km entfernt von Linz hat man wenig
Möglichkeit mit zeitgenössischer Kunst in Kontakt zu kommen.
Hier besteht Nachholbedarf in den Regionen.
- Die "Tages des offenen Ateliers" sollte mehr und
besser beworben werden, z. B. durch Hinweise auf die tollen Angebote,
auch über die Medien.
- Das Öffnen der Landessammlungen ist ein
großes Anliegen. Es wird alljährlich im beträchtlichen
Ausmaß Kunst angekauft und in den verschiedenen Speichern des
Landesmuseums gehortet, zum Teil auch in Zentralausstellungen
präsentiert. Die Regionen, die weit weg vom Zentralraum liegen,
haben von diesen Ankäufen und Präsentationen jedoch wenig. Es
müsste möglich sein, besondere Kunst auch in den Regionen bei
speziellen Gelegenheiten auszustellen, z.B. in Großraming ein
oder zwei Bilder von Franz Zülow oder Kubin.
- Kulturberichterstattung aus Oberösterreich
sollte im Fernsehen forciert werden, z.B. in einem Format ähnlich
wie die "Seitenblicke", wo dann Kulturschaffende unseres Landes
präsentiert werden. Dies wäre auch für die Allgemeinheit
von Interesse.
- Zeitgenössische bildende Kunst sollte in die
Schulen mehr präsent sein und behandelt werden. Es gibt zwar
bereits die OÖ. Schulgalerie (= eine langjährige Initiative,
gefördert durch die Landeskulturdirektion und den Landesschulrat,
in deren Rahmen oö. Künstler ihre Werke in Schulen
ausstellen), aber es bleibt trotzdem noch viel zu tun.
- Ein funktionierender Kulturausschuss in den
einzelnen Gemeinden wäre im Sinne des Leitbildes eine wichtige
Sache.
- Finanzmittel an die Basis! Investitionen sollten
weniger in riesengroße Events gesteckt werden, sondern in die
Regionen fließen zur gezielten Förderung von Initiativen
zeitgenössischer Kunst und Kultur.
Themenbereich Kulturelles Erbe und Volkskultur
- Es entsteht derzeit in Linz ein Haus der
Volkskultur, was wirklich sehr gut ist. Diese Entwicklung sollte auch
im Kulturleitbild verankert werden.
- Die Museen sind zwar im Kulturleitbild vertreten.
Es sollte jedoch den kleinen Museen und dem OÖ. Museumsverbund ein
eigenes Kapitel gewidmet werden.
- Ein großes Anliegen ist auch das Kulturbudget
in den Gemeinden, das oft nicht richtig eingesetzt wird und teilweise
auch zu gering ist.
- Die finanzielle Ausstattung der Gemeinden für
kulturelle Aktivitäten muss den realen Erfordernissen und
Bedürfnissen angepasst bzw. angehoben werden. Die Mittel
dürfen nicht zweckentfremdet werden (die vorgeschriebene
Deckelung für Kulturausgaben im Gemeindebudget ist ebenfalls nicht
richtig!).
- Es fehlt der Informationsfluss zu den Gemeinden.
Informationen, was an Kulturarbeit in einer Gemeinde geleistet wird,
sollen öfter stattfinden, damit die Verantwortlichen Bescheid
wissen.
- Wenig bekannt ist, dass es eine Akademie der
Volkskultur gibt. Es finden Seminare und Weiterbildungsveranstaltungen
statt, die Informationen dazu sind jedoch in die einzelnen Orte nicht
immer durchgedrungen.
- Die Förderung der oberösterreichischen
Mundart ist ein großes Anliegen. Im Landeskulturbeirat wird dazu
demnächst auch ein entsprechender Antrag gestellt werden. Wichtig
und zu hoffen wäre, dass die Mundartbildung auch in den Schulen
mehr Berücksichtigung findet. Es soll ein Unterrichtsbehelf
für Volksschulen, AHS-Unterstufen und Hauptschulen verfasst
werden, sodass in den Lehrplan die Mundart verstärkt
einfließen kann.
- Verstärkte Beratung zur Kulturguterhaltung:
Hier wäre neben dem Denkmalamt (Hemmschwelle für viele Leute)
die Einrichtung einer Institution wichtig, wo Leute Beratung finden,
wie sie z.B. ihr Bauernhaus entsprechend erhalten können. Zu
diesem Thema gehört auch die Erhaltung der Kleindenkmäler,
die nicht immer unter Denkmalschutz stehen.
Themenbereich Regionale Kulturarbeit
- Anzustreben wären Beiräte aus den
Kleinorganisationen und Kulturbereichen der Regionen, die für die
Kulturabteilung des Landes Oberösterreich Informationsbringer und
-vermittler sein sollen, um einen Ausgleich zum Ballungsraum Linz zu
schaffen. Es tut sich kulturell in den Regionen sehr viel, nur ist der
Kontakt zur Zentralen Kulturverwaltung in Linz zu gering.
- Ideal wäre eine Gleichstellung von Tradition
und Innovation, d.h. die Volkskultur soll genauso wichtig sein wie die
Hochkultur.
- Ressourcenvernetzung: Angebote über Equipment
und Säle sowie eine Künstlerbörse sollten für alle,
die Bedarf haben, zugänglich gemacht werden. Viele Vereine haben
gewaltige Ressourcen wie Bühnentechnik, Verstärkeranlagen
etc. Vielleicht gelingt es hier mit Hilfe des Landes OÖ, eine
Vernetzung zu schaffen.
- Transparenz der Kulturabteilung: Die
Kulturabteilung ist für die Regionen sehr wichtig. Gut wäre
es, bereits im vorhinein zu wissen, was für die nächsten
Jahre an Kultur geplant ist. Auch das Knüpfen persönlicher
Kontakte ist wichtig. Deshalb sind Veranstaltungen, wie die heutige,
für Kulturschaffende sehr begrüßenswert.
- Damit in Oberösterreich Kultur funktioniert,
sollte die Lustbarkeitssteuer und die AKM abgeschafft werden, damit
Kulturveranstaltungen auch für Freiberufliche und Ehrenamtliche
leistbar und damit organisierbar sind.
Themenbereich Kultur & Tourismus
- Sehr wichtig ist eine ständige Wechselwirkung
zwischen Kultur und Tourismus. Hier fehlt uns zum Teil die
Bewusstseinsbildung in Politik und Öffentlichkeit, vor allem in
Bereichen, in denen die Ehrenamtlichkeit im Vordergrund steht. Auch die
Wertschätzung der Medien spürt man nicht immer.
Kulturschaffende sind nicht Bittsteller, sondern Anbieter der
Wirtschaft, nicht nur für den Tourismus.
- Die internationalen Kulturkontakte sind ein
wesentlicher Bestandteil des Tourismus. Daher gilt auch: Förderung
von Kultur und Tourismus durch internationale Kontakte.
- Die Bedeutung von kulturellen Investitionen und
Veranstaltungen für touristische Entwicklung und vor allem die
Nachhaltigkeit ist ein sehr wichtiger Punkt, der als Kriterium auch ins
Kulturleitbild aufgenommen werden sollte. Wichtig wäre
Nachhaltigkeit anstatt kurzfristiger Highlights.
- Ein überregionaler Kulturaustausch zwischen
Stadt und Land wäre erstrebenswert. Die großen Kulturzentren
befinden sich heute in den Ballungsgebieten, wo auch die Wirtschaft und
Öffentlichkeit mit wesentlich höherer Intensität
hinschaut. Hier fühlt sich die ländliche Bevölkerung oft
vernachlässigt.
- Steigerung der Attraktivität des
Kulturangebotes in den Regionen durch bessere Angebote in den
regionalen Museen, z.B. in Form von Ausstellungen, die in Kooperation
mit den großen Kulturhäusern in Linz durchgeführt
werden. Derzeit ist es für ein kleines Museum sehr schwer, an
Exponate vom Landesmuseum oder anderen größeren
Kulturinstitutionen heranzukommen. Das sollte sich ändern, um auch
in den Regionen attraktive Ausstellungen machen zu können.
- Partnerschaften bilden ist wichtig. Eines der
wichtigsten Instrumente dazu ist sicherlich der OÖ.
Museumsverbund, aber er ist in manchen Bereichen auch schon wieder zu
zentralistisch ausgerichtet.
- Dezentrale Ausstellungen oder Wanderausstellungen:
Warum kann nicht eine in den Medien groß angekündigte und
beworbene Ausstellung in einem anderen Bundesland (z.B. derzeit eine
sehr bedeutende Ausstellung zum Mittelalter auf der Schallaburg in
NÖ) für OÖ übernommen und in OÖ gezeigt werden?
- Wirtschaftsfaktor Kultur: Man muss das Bewusstsein
der Bevölkerung darauf hinlenken, dass die Kultur sehr viel
für die Wirtschaft tut.
- Museumstage, Tag des offenen Denkmals für die
Museen, Sonderausstellungen: All das ist wichtig.
- Kulturtouristische Veranstaltungen sind zu
fördern. Bsp.: Das Sensen-Festival im Jahr 2004 unter der
Patronanz der oö. Eisenstraße war ein wesentlicher Beitrag,
wo Tausende Besucher in die Region Pyhrn-Eisenwurzen kamen. Auch der
Tourismus profitierte davon nachhaltig. Daraus ist "Der
österreichische Sensenverein" entstanden.
- Neue Wege sollten - vor allem auch im
Hinblick auf die Erfordernisse des Tourismus - in Bezug auf die
Öffnungszeiten der Museen beschritten werden, z.B. könnten
Museen durchgehend geöffnet haben. So einigten sich die
Museumbetreiber der Region Grünburg, Steinbach, Molln auf Wunsch
des Tourismus, dass jeden Tag ein anderes Museum offen hat. Es gibt
daher keinen Sperrtag mehr. Der Tourismus braucht ein
Alternativprogramm zum Bergsteigen und Mountainbiken vor allem bei
Schlechtwetter.
- Eine Idee (in der Region Steyrtal verwirklicht) ist
auch, den Besucher, ohne Eintritt zu bezahlen, die Museen besuchen zu
lassen bzw. zumindest ohne einer Führung das Museum besuchen zu
können. So kann Neugierde geweckt werden.
Themenbereich Kinder- & Jugendkultur
- Die Kinder brauchen mehr Wissen über ihre
unmittelbare Heimat, damit sie sich mit dieser identifizieren
können. Dieses Wissen wird zum Teil nicht mehr vermittelt. Erst
wenn man über die eigene Heimat (Geschichte, natur, Kultur etc.)
mehr weiß, kann man darauf auch stolz sein und Heimatbewusstsein
entwickeln.
- Außerdem wäre es wichtig, dass
Alltagskultur bei Kindern und Jugend wieder mehr praktiziert wird, z.B.
die Esskultur (wie und was isst man?).
- Es braucht mehr Ressourcen für die
grundlegenden Kulturtätigkeiten, sie gehen unseren Kindern zum
Teil verloren.
- Es wäre wichtig, dass die
Persönlichkeitsbildung unserer Kinder über Religion,
vermehrtes Chorangebot, Theater etc. gefördert wird. Das kann in
verschiedenster Weise in den Schulen stattfinden. Aber gerade in diesem
Bereich wurde in den letzten Jahren zu sehr der Sparstift angesetzt.
Die Schulen haben keine freie Übungen mehr, um die
Kreativität der Kinder zu entwickeln, und sie haben kein
zusätzliches Geld mehr, um mit Kindern - z.B. im Rahmen der
bildnerischen Erziehung - auch einmal ein Museum zu besuchen. Die
Angebote sind da, aber es müsste mittlerweile alles von der Schule
und den Eltern selbst finanziert werden.
- Jugendkultur und die Förderung unserer Kinder
ist das Wichtigste. Im Kulturleitbild ist dieses Thema aber zu kurz
abgehandelt.
- Wünschenswert wäre ein Kulturleitplan,
der mehr auf die Ressourcen achtet, die wir im Land haben, z.B. auf die
Initiativen des OÖ. Volksliedwerkes, die voriges Jahr in die
Schulen gekommen sind, um mit den Kindern zu musizieren. Heute ist
unsere Kultur zu vielfältig, sodass auch gute Lehrer, die sich
sicherlich bemühen, nicht mehr alles abdecken können. Die
Schulen brauchen daher viel mehr an Unterstützung,
einschließlich mehr finanzieller Ressourcen.
Themenbereich Kultursponsoring
- Früher förderte der Adel und der Klerus
die Kultur. Jetzt ist die Situation eine andere. Daher sollten die
Banken und Versicherungen, der neue Geldadel also, mehr in die Pflicht
genommen werden.
- Kooperationen mit der Wirtschaft zur Förderung
der zeitgenössischen Kunst wären wichtig. Die Wirtschaft
sollte sich an der Finanzierung von zeitgenössischer Kultur und
Kunst beteiligen. Politiker müssten dahingehend auch einen
moralischen Druck auf die Wirtschaft ausüben. Vielleicht ist es
möglich, dass die Wirtschaft 1 % ihres Umsatzes zur oö. Kunst
und Kultur beisteuert.
- In den Regionen sollten Kulturbeiräte
geschaffen werden, auch in Kooperation mit der Wirtschaft.
Wichtige Fragen, die nicht diskutiert werden konnten
- Wer entscheidet was kommerziell ist?
- Kosten(loser)günstiger Zugang zu den
elektronischen Medien für ehrenamtliche Kulturträger, z.B.
über eduhi.at
Resümee / Feedback
- Die Veranstaltung hätte einen ganzen
Nachmittag dauern können!
- Wertvolle Informationen
- Viele aktive Kulturschaffende aus allen Bereichen
an "einem Tisch"
- Das Leitbild öffentlich zu diskutieren ist ein
richtiger Schritt, gratuliere! Leider wissen noch zu Wenige von der
Möglichkeit mit gestalten zu können. Die Diskussion
müsste in jeder Gemeinde fortgesetzt werden.
- Eine sehr intensive Veranstaltung mit guten
Informationen. Danke dafür.
Zusammenfassung: kybernetika / Julius Stieber
|
|
| |
| |  | | © 2006/07 Amt der oö. Landesregierung, Landeskulturdirektion . Promenade 37 . A-4021 Linz . ++43 +70 7720 14875 |
|  |
|