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Kulturleitbild Oberösterreich | TERMINE
Protokoll der Regionaldiskussion Salzkammergut zum Kulturleitbild
OÖ., 1. Juni 2007, Toscana-Kongress Gmunden
Themenbereich Zeitgenössische Kunst & Kultur
- Das Interesse für zeitgenössische Kunst
muss schon bei den Kindern geweckt werden. Ein diesbezügliches
Bildungsangebot in den Schulen wäre wichtig, um Kindern die
Möglichkeit zu bieten, mit zeitgenössischer Kunst besser
umgehen zu können, sie verstehen zu lernen. Die Lehrer
müssten auf diesem Gebiet besser ausgebildet werden. Hier ist das
größte Defizit derzeit. Die bessere Ausbildung der Lehrer
steht daher im Vordergrund, denn unsere Kinder sind unsere Zukunft und
die Zukunft des Landes hinsichtlich der zeitgenössischen Kunst
wird von unseren Kindern getragen und gestaltet werden.
- Mehr Bewusstseinsbildung bezüglich Kunst
öffentlichen Raum: Wir begegnen zwar im öffentlichen Raum der
Kunst auf allen Plätzen, Häusern etc. Die Auswahl, was hier
an Kunst aufgestellt wird, sollte man aber nicht einfach
Gemeindebeamten überlassen, sondern Gestaltungsbeiräten, die
in den Gemeinden eingerichtet werden sollten. Einen solchen Beirat gibt
es z.B. an der Bezirkshauptmannschaft Murau (Steiermark). Dort hat er
sich sehr bewährt.
- Bessere Förderung für die
Kunstvermittlung: So wären z.B. Diskussionsrunden zur
zeitgenössischen Kunst vor einschlägigen Veranstaltungen
(Konzerten, Ausstellungseröffnungen, Lesungen etc.)
zweckmäßig. Auch gezielte Einführungen in das Thema der
jeweiligen Veranstaltung wären anzustreben. Da nicht jeder
Vortragende solche Einführungen gratis macht, wäre hier eine
Förderung wünschenswert.
- Schwellenängste abbauen: Jugendliche und
Senioren sollten mehr zum Besuch von Galerien für
zeitgenössische Kunst motiviert werden. Leider ist es so, dass bei
der zeitgenössischen Kunst die Quote regiert, d.h.
Veranstaltungen, die viel Publikum bringen, werden mehr forciert als
andere, die weniger bringen. Vor allem im Förderbereich wird der
Eventkunst der Vorrang gegeben und auf Kosten der zeitgenössischen
Kunst, die dadurch natürlich mehr oder weniger im Argen liegt.
Derzeit interessieren sich nur 2 % der Bevölkerung für Kunst,
und davon wiederum nur 0,2 % für die zeitgenössische Kunst.
- Ähnlich dem Modell Landesmusikschulen sollten
evt. Landesmalschulen, -schreibschulen usw. eingeführt werden.
Zumindest ein Teil der Förderungen für Musik sollte der
zeitgenössischen Kunst zur Verfügung gestellt werden.
- Mehr Förderung für die produzierende
Kunst, für die Künstler, für die zeitgenössischen
Kunstfestivals usw.
- Bessere Vernetzung der einzelnen Sparten und
verstärkte Förderung von spartenübergreifenden
Projekten, wie z.B. den Salzkammergut Festwochen.
- Endziel: Zeitgenössische Kunst soll zur
Selbstverständlichkeit werden. Zeitgenössische Kunst soll zu
den Menschen kommen, in die Betriebe, in die Schulen usw.
Themenbereich Kulturelles Erbe und Volkskultur
- Die alte Handwerkskunst nicht in Vergessenheit
geraten zu lassen, ist ein Anliegen der älteren Generation. In den
Schulen wird die alte Handwerkskunst sehr schlecht vermittelt. Bei der
Fülle an Unterrichtsstoff in den Lehrplänen ist dies derzeit
kaum unterzubringen. Es gehört aber zur Identität unseres
Land dazu, denn wir haben von unseren Altvorderen sehr viel
übernommen.
- Vermittlung des kulturellen Erbes durch neue
Medien: Dazu müssen wir uns auch bekennen und diese annehmen.
- Jugendgerechte Kurse anbieten und die Jugend mehr
einbinden: Interesse wecken, Bewusstsein bilden.
- Kulturelles Erbe der christlichen Kirchen: Speziell
sollte der Beitrag der protestantischen Kirche, welche 100 Jahre
Oberösterreich wesentlich geprägt hat, zur Identität des
Landes stärker in das Bewusstsein gerückt werden. Die
evangelische Kirche hat in Wels und Steyr sehr viel gebaut. Nach ihrem
Weggang geschah nichts mehr bzw. nur wenig. Auch dies gehört zum
kulturellen Erbe.
- Volkskultur lebendig halten im
zeitgenössischen Sinne: Wir müssen die Volkskultur frei geben
zur Weiterentwicklung, nicht bloß am Alten festhalten, also
Kreativität den Menschen, die jetzt die Volkskultur gestalten,
zugestehen.
- Bei der Keramik z.B., die speziell im Salzkammergut
zu Hause ist, sollte das alte kulturelle Erbe zwar gepflegt werden,
aber auch zeitgenössisches Design gefördert werden.
- Für die Vermittlung der Volkskultur in neuen
Medien sollten spezielle Förderungen freigegeben werden, z.B. wenn
eine Goldhaubengruppe einen Computer braucht.
- Die Schule soll mehr auf traditionelle
handwerkliche Fertigkeiten eingehen.
Themenbereich Regionale Kulturarbeit
- Bewahrung der Tradition: Die gewachsenen
kulturellen Strukturen sollten gepflegt werden.
- Mut zu Neuem: In den Gemeinden sollten die
Kulturreferenten von der Landeskulturdirektion über neue
Kulturmöglichkeiten und -förderungen informiert werden, damit
man in den Gemeinden in vielen Bereichen aktiv werden kann.
- Die Probleme im Salzkammergut (Bezirk Gmunden) sind
sehr unterschiedlich im Norden und im Süden. Im Norden, z.B. in
der Gemeinde Vorchdorf, versucht man die ausländischen Mitbewohner
zu integrieren (Ausländeranteil 8-9 %). Es wird versucht, diese in
die kulturelle Arbeit zu integrieren und somit in die Bevölkerung
einzugliedern. Es gibt Initiativen bei Ortsfesten usw. Hier
wünschen sich die Kulturschaffenden Unterstützung. Der
Süden hat hingegen mehr mit der Motivation der Jugend für
kulturellen Tätigkeit auf Gemeindeebene zu kämpfen.
- Auch die wirtschaftliche Grundlage als Basis
für kulturelle Arbeit sollte besser abgesichert werden. Hier
wünscht man sich mehr Unterstützung von Seiten des Landes.
- Wichtig wäre es auch, den Menschen die Scheu
vor dem Wort Kultur zu nehmen. Erwachsene, die noch nicht kulturell
tätig sind, tun sich sehr schwer mit dem Begriff, obwohl sie den
Wunsch haben, kulturell tätig zu werden. Auch hier ist
Unterstützung notwendig.
- Die Blasmusik soll nicht nur als traditionelle,
sondern auch als zeitgenössische Musik gesehen werden.
Themenbereich Kultur & Tourismus
- Die OÖ. Landesausstellung 2008 im
Salzkammergut ist ein guter Impuls für die Weiterentwicklung des
Kulturtourismus in der Region.
- Volkskulturprojekte bekommen finanziell Probleme,
weil es an einem regionalen Kulturmanagement fehlt. In der Volkskultur
sind zumeist ehrenamtliche Mitarbeiter tätig sind, die keine Zeit
haben, um den ganzen Papierkram bezüglich Förderungen usw. zu
erledigen.
- Gefordert wäre eine Kultur, die von der
Bevölkerung mitgetragen wird, d.h. keine zugekaufte Kultur, die
aufgesetzt wird, weil auch von den Gästen die Kultur gesucht wird,
die bei uns heimisch ist.
- In der Kultur ortspezifische Schwerpunkte zu
setzen, wie es z.B. bei der OÖ. Landesausstellung 2008 sehr gut
gemacht wird, sollte das Konzept für die Zukunft sein. Jeder Ort
hat irgend etwas Spezifisches, Einzigartiges. In Ebensee ist es der
Glöcklerlauf, in Bad Ischl die Operette, am Wolfgangsee gibt es
eine "bunte Mischung", die sich gut verkaufen lässt.
- Zusätzlich könnte man die
Kulturlandschaft im Salzkammergut einteilen in Täler- und
Seenregionen. Das ließe sich dann wiederum über ein
gemeinsames regionales Kulturmanagement gut verkaufen.
- Die aktuelle Kunst und Kultur darf dabei nicht
vergessen werden, insbesondere jene mit einem regionalen
salzkammergut-typischen Charakter. Frei nach Gustav Mahler: Kultur ist
nicht die Anbetung der Asche, sondern die Weitergabe des Feuers.
- Exzessive Kunst hat nichts verloren im
Salzkammergut, aber der aktuellen Kunst sollte möglichst breiter
Raum gegeben werden.
- Die Erhaltung der bestehenden Kulturlandschaft ist
äußerst wichtig. Bei Umfragen wird dies immer an erster
Stelle genannt. Die Gäste kommen zu uns wegen der Landschaft, der
Seen, der Berge. Dies ist einer der wesentlichsten Eckpfeiler der
Urlaubsregion Salzkammergut.
Themenbereich Kinder- & Jugendkultur
- Kinderchöre und im weitesten Sinn die musische
Entwicklung unserer Jugend sind ganz wichtig. Es gibt
hervorragende Ansätze im Musikschulwerk, engagierte Lehrer, die
diese Idee weiter verbreiten. Das Problem ist, dass die Kinder von
irgendwo "hergekarrt" werden und nach der Musikstunde wieder abgeholt
werden. Ein Vorschlag wäre daher, die Lehrer zu bitten, die Idee
der Kinderchöre in die Volks- und Hauptschulen und auch AHS
hineinzutragen und Kinderchöre zu bilden. Vorteilhaft wäre
dabei natürlich auch, die Ressourcen für musische Fächer
in den Schulen zu stärken d.h. weg von den Stundenkürzungen.
- Eine Idee wäre auch, fixe landesweite
Kulturtage in den Schulen einzurichten. Und zwar richtige Kulturtage,
und nicht eine Projektwoche am Ende des Schuljahres, die man am Anfang
des neuen Schuljahres schon wieder vergessen hat.
- Die Förderung der Kunst und Kultur im Jugend-
und Kinderbereich sollte wesentlich verstärkt werden, nicht nur
die monetäre und finanzielle Förderung, sondern auch die
ideelle Förderung.
- Zum Kultur erleben und kennenlernen gehören
auch Entspannungstechniken. Aufgrund der Reizüberflutung, der die
Kinder heutzutage ausgesetzt sind, ist es mittlerweile notwendig, in
der Schule, im Kindergarten, in der höheren Schule
Entspannungstechniken zu lehren. Denn dann ist es viel leichter, Kunst
und Kultur aufzunehmen.
- Es ist auch notwendig, grenzüberschreitend zu
denken anstatt "kulturelle Kirchturmpolitik" in den Gemeinden zu
betreiben.
- Es hängt sehr viel davon ab, wie die Lehrer in
den Schulen motiviert sind. Wie stark gelingt es ihnen, ihre
Schüler zu motivieren. Es wäre jedenfalls sinnvoll, Lehrer,
die im Kunst- und Kulturbereich Akzente setzen, stärker zu
fördern.
- Wichtig wäre es auch, Theaterworkshops
für Kinder und Jugendliche einzurichten. Es gibt dies schon in
einzelnen Ansätzen in den Gemeinden, bzw. Schulen, dies
gehört aber ausgebaut. Diese Aktivitäten sollten
Gemeinde- übergreifend passieren.
- Sinnvoll ist es auch, ausländische Kinder
kulturell zu integrieren und deren Kultur zu vermitteln. Denn wenn
Kinder gemeinsam andere Kulturen kennenlernen, verlieren sie die Scheu
und können ihren Erfahrungshorizont erweitern.
- Auch Behinderte sind zu integrieren. Auch hier kann
man so den Kindern und Jugendlichen die Scheu im Umgang mit Menschen
mit Behinderungen nehmen.
- Es sollte generell der Kunst und Kultur wieder mehr
Stellenwert in Gesellschaft und Politik gegeben werden.
- Die Kunst kann auch als Therapie genutzt werden,
nicht nur im Erwachsenenbereich, sondern sehr wohl auch bei Kindern. Es
gibt in den Schulen viele verhaltensauffällige Kinder, und hier
kann Kunst und Kultur fördernd wirken.
- Die Kinder sollten wieder mehr in die Natur hinaus.
Die meisten Kinder verbringen zu viel Zeit vor dem Computer, zu Hause.
Gerade in der freien Natur kann es gelingen, Kunst und Kultur
spielerisch zu erlernen.
Wichtige Fragen, die nicht diskutiert werden konnten
- Kunsttrainer in Schulen und Betrieben
- Mal- und Schreibschulen
- Kultur und Sprache: Fremdsprachige Ausdrücke
zu übertrieben!
- Erhaltung der Kulturlandschaft: Einschreiten der
Behörden, um die "Verhunzung" der Kulturlandschaft durch
Veranstaltungshinweise unmöglich zu machen. Es kommt oft sogar zu
Verkehrsbehinderungen an Straßen und auf Plätzen!
Resümee / Feedback
- Es ist schön, mit gestalten zu dürfen!
- Vorschlag: Alle Gemeinden sollten einen Link zu
www.kulturleitbild.at auf ihrer Homepage einrichten. Ich werde das auch
auf meiner Seite der Galerie 422.at ab Montag eingerichtet haben. G.
Lössl
- Danke für die offene Diskussion
Zusammenfassung: kybernetika / Julius Stieber
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