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Kulturleitbild Oberösterreich | TERMINE
Protokoll der Regionaldiskussion Mühlviertel zum Kulturleitbild
OÖ., 13. Juni 2007, Kulturhaus Pregarten Bruckmühle
Themenbereich Zeitgenössische Kunst & Kultur
- Zu den Tagen des offenen Ateliers folgende Ideen:
a) qualitativ bessere und mehr Werbung, b) Ausschreibung und
Verbesserung des Layouts der Infobroschüre, c) eine Sichtung der
Teilnehmer hinsichtlich Qualität wäre wünschenswert,
obwohl dies sehr schwierig ist.
- Bei den OÖ. Landesausstellungen: mehr
zeitgenössische Kunst, mehr Einbindung der zeitgenössischen
Kunst in Form von Wettbewerben, vor allem mehr Vorbereitungszeit und
leichteren Zugang.
- Chancengleichheit bei Förderungen zwischen
Land und Stadt: Die Künstler in der Hauptstadt haben es wesentlich
leichter, Förderungen zu bekommen, als freischaffende
Künstler am Land.
- Bessere Information über Formen der
Förderung: Es gibt eine ganze Menge an Förderungen, von denen
man noch nie etwas gehört hat.
- Es gibt leider auch Altersobergrenzen bei
bestimmten Förderungen. Das trifft besonders Frauen, die nach
Wiedereinstieg oder Babypausen wieder aktiv sind.
- Es wird zu wenig regionale Kunst in den
Landesmuseen präsentiert.
- Bei Ankäufen von zeitgenössischer Kunst
durch das Landeskulturreferat wird man als Künstler, auch wenn man
bereits arriviert ist, meist als Bittsteller behandelt. Das müsste
sich unbedingt ändern in Richtung verbindliche Ankäufe in
regelmäßigen Intervallen.
- Für internationale Kontakte ist zu wenig Geld
und Unterstützung vorhanden. Das Land OÖ. sollte daher mehr
Geld für den internationalen Kunstaustausch bereitstellen.
- Neudefinierung der Prozentquote bei Kunst am Bau
und der Ausschreibungskriterien.
- Schaffung zusätzlicher Jahresstipendien, die
unbürokratisch vergeben werden.
Themenbereich Kulturelles Erbe und Volkskultur
- Ein wesentlicher Punkt ist die Pflege des
regionalen und alten Liedgutes bereits ab dem Kindergarten
(Lernverpflichtung).
- Alte Bräuche, die in den Regionen fast schon
ausgestorben sind, sollten unter Einbindung der Schulen wieder
aktualisiert werden.
- Eine Interessensvertretung, frei vom Einfluss der
Landeskulturabteilung, sollte ähnlich wie in NÖ im
Volkskulturbereich geschaffen werden.
- Kulturelles Erbe ist auch die Erhaltung
historischer Bausubstanz (Einfluss des Denkmalschutzes). Alte
Bausubstanz soll jedoch sinnvoll genutzt werden. Förderungen
sollten darauf abgestimmt werden.
- Abgangsgemeinden sind auf Förderungen ganz
besonders angewiesen.
- Dringlich wäre die Entwicklung eines Projektes
zur Erhaltung von Flurnamen im ländlichen Raum. Junge Leute haben
kaum mehr eine Ahnung von den alten Bezeichnungen der Wälder,
Felder und Wiesen.
- Ganz wichtig ist auch die Mundartpflege.
Themenbereich Regionale Kulturarbeit
- Es fehlen Netzwerke, beratende Stellen zur
Organisation von Kulturveranstaltungen: Wie kann man eine Veranstaltung
professionell aufbauen? Welche Möglichkeiten der
Finanzierung gibt es?
- Sicherung der kulturellen Infrastruktur: Vereine in
den einzelnen Gemeinden sollten finanziell und räumlich
langfristig abgesichert werden.
- Eine Kulturförderung mit Schwerpunktsetzungen
wäre zweckmäßig.
- Die Förderpolitik sollte außerdem so
ausgerichtet sein, dass man die unterschiedlichen Voraussetzungen von
Kulturarbeit am Land und Kulturarbeit in der Stadt berücksichtigt.
- Finanzierung von Personal, das professionell
Kultur-Veranstaltungen umsetzt und begleitet.
- Einbindung der Jugendlichen in die Kulturarbeit ist
wichtig. In der Praxis ist das jedoch oft schwierig, da sich
Jugendliche nicht fix binden, sondern flexibel bleiben wollen.
Eventuelle Lösung: Jugendliche sollten in Schwerpunkt-Projekte
eingebunden werde, wo sie sich nicht dauerhaft engagieren müssen.
- Unkonventionelle Aktionen setzen. Bsp.: Jugendliche
einladen, dass sie eine Aktion durchführen, ein
Frühstück, ein Picknick für weitere fünf
Jugendliche organisieren, und damit weitere Jugendliche motivieren,
sich für bestimmte Themen zu interessieren.
- Schaffung eines Förderbeirats auf Landesebene.
- Volkskultur und Tradition sind sehr wichtig. Wir
müssen uns der Tradition unseres Landes bewusst werden. Auch die
Bevölkerung ist darauf einzuschwören, wie wichtig es ist, die
Tradition weiter zu tragen.
- Es gibt 150 Musikschulen, aber keine einzige
Malschule. Auch das wäre zu ändern.
- Der grenzüberschreitende Kulturaustausch mit
Südböhmen und Bayern sollte forciert werden.
Themenbereich Kultur & Tourismus
- Kultur und Tourismus sind wie siamesische
Zwillinge. Sie sind sehr eng miteinander verflochten, sie verstehen
sich aber nicht immer, sind nicht immer einer Meinung.
- Ausgangsfrage: Inwieweit kann Kultur regionale
Identitäten schaffen? Manche Regionen sind komplett austauschbar
im Tourismus. Die Frage ist: Wodurch kann sich das Mühlviertel vom
Waldviertel, vom Mostviertel etc. unterscheiden? Es ist nicht leicht,
dass Landschaften, die einander ähnlich sind, ihre regionale
Identität, ihre Besonderheiten in Abgrenzung zu den jeweils
anderen definieren und finden.
- Hier bräuchte man eine Institution, die das
tun sollte. Im Mühlviertel gibt es eine solche Institution jedoch
nicht mehr , weil die touristische Regionalorganisation ausgeschaltet
bzw. zerstört wurde. Diese Frage sollte diskutiert werden. Eine
Region kann auf eine Institution, die sich ganzheitlich um das
touristische und natürlich auch um das kulturtouristische
Marketing bemüht - wie das z.B. in anderen Regionen wie dem
Waldviertel der Fall ist - nicht verzichten.
- Wir haben sehr viele unterschiedliche
Qualitäten bei Veranstaltungen. Notwendig ist hier die Schaffung
von Qualitätskriterien, was jedoch nicht einfach ist. Die Museen
z.B. bemühen sich sehr wohl um Qualität, aber das ist ein
sehr langsamer und mühsamer Weg.
- Wir brauchen in der Region Mühlviertel wieder
eine Institution, die Kultur in Form von ganz konkreten
Erlebnispaketen, man spricht heute im Tourismus auch von
Erlebnisdesign, anbietet. Diese Institution muss koordinieren und
Themen vorgeben. Z.B. gibt es bereits die Museumsstraße, die
Gotische Straße etc.
- Wir brauchen aber mehr Professionalität im
Kulturtourismus. Das ist eine Anforderung für die Zukunft.
- Partnerschaften auf der untersten Ebene sind ganz
wichtig, zwischen dem Wirt und Kulturveranstaltern vor Ort etc..
- Es gibt auch das Problem der internen
Kommunikation zwischen den Gemeinden, denn Gemeindegrenzen sind
bekanntlich sehr starke Informationsbarrieren, noch größer
sind dann die Barrieren zwischen den Bezirken. Hier müssen
Kommunikationsplattformen gefunden und entwickelt werden.
- Man wird auch neue Methoden suchen und finden
müssen, um den Gast mit Kulturangeboten ansprechen zu können.
Denn derzeit ist es so, dass die Kulturveranstaltungen immer von der
gleichen Zielgruppe, vom gleichen Personenkreis besucht werden. Mehr
Kooperation zwischen Tourismus und Kultur ist hier notwendig.
Themenbereich Kinder- & Jugendkultur
- Wie kindgerecht sind Museen? Oft sind
Ausstellungsstücke auf 1,20 m Höhe in Vitrinen. Keine Chance
für Kinder und Behinderte im Rollstuhl diese Gegenstände zu
sehen.
- Kulturarbeit im Jugendzentrum: Es werden viele
Bands gegründet, die Jugendlichen sind laut, die Musik ist
unkonventionell. Wo können sie sich produzieren? Wo sind sie
willkommen? Wo können sie ihre Musik aufführen?
- Projekt "Haus voll Musik" - Zielgruppe sind
6-jährige, wo Orchester- und Musikinstrumente den Kindern
näher gebracht werden. Ausgebaut könnte dieses Angebot mit
"Industrie klingt" werden für die 1. -4. Volksschulklassen.
- In manchen Gemeinden werden Kinderferienaktionen
sehr aktiv betrieben. Dabei gibt es immer wieder Musikgruppen, die
Kinder einladen, einen Nachmittag Instrumente auszuprobieren. Kinder
sind begeisterungsfähig, wenn sie nicht nur zuhören, sondern
ausprobieren können. Diese Methode sollte landesweit angeboten und
forciert werden.
- Es gibt kreatives Potential, nicht nur in der
Musik, sondern auch im künstlerischen Ausdruck, das man auch in
der Freizeit fördern sollte.
- Künstler und Künstlerinnen sollten auch
in Schulen und Kindergärten eingeladen werden und dort zu
bestimmten Themen Projekte gestalten.
- Singen soll wieder "in" sein. Wie viele Kinder
kennen noch die traditionellen Kinderlieder?
- Es gibt die Jugendensembles der Musikschulen, die
einmal im Jahr einen Auftritt vor den Eltern und Verwandten haben. Dies
ist zu wenig. Anzustreben wären mehr Auftrittsmöglichkeiten,
z.B. durch Erfassung der Jugendensembles auf einer zentralen
Computerdatei, von wo sie dann per Mouseclick auch zu Veranstaltungen
außerhalb der Musikschulen vermittelt werden könnten.
- Bei den Musikschulen gibt es bei den Anmeldungen
bei manchen Instrumenten sehr lange Wartezeiten.
- Für Jugendliche sollten
Präsentationsmöglichkeit an neuen, ungewöhnlichen
Plätzen geschaffen werden. Außerdem wäre die regionale
Vernetzung für jugendliche Künstler wichtig.
- Kooperationsmöglichkeiten der Jugendlichen
untereinander schaffen. Bsp.: Jemand macht eine Vernissage und
möchte eine Band dazu. Wo ist die Schnittstelle zum Kontakte
knüpfen?
- Die Drop-out-Rate in den Musikschulen ist im
Teenageralter sehr hoch. Hier sind Überlegungen anzustellen, wie
man Jugendliche in den Musikschulen halten kann. Folgende Fragen
stellen sich: Warum ist auf einmal etwas ganz anderes viel
interessanter? Ist der Lehrer zu konservativ oder ist ein anderes
Interessensgebiet auf einmal wichtiger? Gezielte Befragungen von
Jugendlichen zu diesem Thema wären wichtig.
- Qualität in der Kunst- und Kulturvermittlung:
Es sollte eine qualitativ hochwertige Ausbildung im Bereich der Kunst-
und Kulturvermittlung garantiert werden, damit Kunst und Kultur auch
entsprechend professionell vermittelt werden kann.
- Wichtig ist auch die Einbindung von Kindern und
Jugendlichen in eine Jury, wenn es um Bewertungen von Kinder- und
Jugendprojekten geht.
Themenbereich Seniorenkultur
- Vorschlag: Die Seniorenkultur mit einem eigenen
Kapitel ins Kulturleitbild aufnehmen.
- Die Kultur kommt zu den Senioren, wenn wir den
Mitnahmeeffekt fördern.
- Man sollte weniger an die Veranstaltungskultur
denken, sondern langfristige Projekte und Prozesse fördern, damit
die Nachhaltigkeit entsprechend gegeben ist.
- Man sollte ein gutes Kulturnetzwerk für
Senioren aufbauen (weniger Kirchturmkultur), um regionale Prozesse in
Gang zu bringen.
- Kulturarbeit soll vor allem ermutigen und anregen,
sich auch etwas Neues zuzutrauen, verschüttete Talente
freischaufeln und die Seniorenkulturarbeit zum Blühen bringen.
- Senioren sollen nicht nur Konsumenten, sondern auch
Produzenten von Kultur sein.
Themenbereich Baukultur
- Der Ortsplatz als kulturelle Drehscheibe: Der
Ortsplatz ist eine Voraussetzung für die Reformerhaltung einer
Region. Wichtig ist dabei die Aufrechterhaltung des Wertes eines Ortes
(u.a. im Kontext Architektur - Tourismus - Geschichte).
- Denk - Mal - Amt: Es gibt überall eine
Interessensabwägung. Beim Denkmalamt gibt es das nicht, auch keine
Parteienstellung. Die Interessensabwägung müsste beim
Denkmalamt in den Mittelpunkt gerückt werden, sonst sind Konflikte
an der Tagesordnung. Das entsprechende Gesetz aus dem 1923 sollte
überdacht werden.
- Künstler oder Kulturverantwortliche sollten
als Konsulenten bei Bau- und Platzgestaltungen mit eingebunden werden.
- In Freistadt wurde eine Altstadtkommission
gegründet, um die Bauangelegenheiten im denkmalgeschützten
Bereich des Stadtkerns zu organisieren. Die Kommission fungiert nicht
als Baubehörde, sondern als beratendes Instrument für die
Baubehörde erster Instanz. Sie schafft Verbindungen zum
Denkmalamt, zu den Bürgern, Bauwerbern und Fachleuten, die die
Bauten in der Innenstadt planen und durchführen.
- Es gibt auch den Ortsbildbeirat beim Land in der
Abteilung Dorf- und Stadterneuerung, der kleinere Gemeinden auch in
dieser Angelegenheit berät. Diese Einrichtungen sollten in einem
Kulturleitbild durchaus Erwähnung finden.
- Spannungsfeld kulturelles Erbe -
zeitgemäße Nutzungsansprüche: Die
Schnittstellenproblematik zwischen kulturellem Erbe und
zeitgemäßen Nutzungsansprüchen findet sich im Dialog
Städtebau - Architektur - Baukultur, der dieses Spannungsfeld
darstellen und ausgleichen soll. In der Mitte dieses Dialogs befindet
sich wiederum das Denkmalamt. Hier ginge es letztlich darum, dass die
oben erwähnten Einrichtungen diese Schnittstellen so gestalten,
dass man beiden gerecht wird, dem kulturellen Erbe und den
zeitgemäßen Nutzungsansprüchen.
- Baubehörde, Bauamt und Bauberatung sind die
Themenbereiche für die Bürgermeister als Baubehörde
erster Instanz. Das Bauamt einer Stadt und die Bauberatungen vom Land,
die von Gemeinden in Anspruch genommen werden können, sollten
zusammen für Bauqualität sorgen. Hier stellt sich jedoch die
Frage, wie es tatsächlich mit der Bauqualität und Baukultur
in unserem Land aussieht. Denn nur zu oft wird auf diese Einrichtungen
in Gemeinden verzichtet - mit sichtbaren negativen Folgen für die
Baukultur.
- Bauen im Grünen ist viel einfacher als z.B. im
Ortskern zu bauen, zu sanieren und zu restaurieren. In diesem
Spannungsfeld zwischen Bauen im Grünen und Bauen im Ortskern
findet man auch die finanziellen Belastungssituationen. Hier
müssen verstärkt jene Ansatzpunkte gefunden werden, die das
Bauen in Ortskernen bevorzugen und die flächensparende
Baulandnutzung über die Verdichtung in den Ortskernen in die
Praxis umsetzen.
Wichtige Fragen, die nicht diskutiert werden konnten
- Bibliotheken fehlen im Leitbild
- Räume öffnen für
Laienkünstler/innen: Musikprobenraum, Malwerkstätten,
Theaterräume usw.
- Zielgruppenspezifische Einladungen: Mann - Frau
speziell ansprechen, Aktivität ist barrierefrei, leichte
verständliche Sprache
- Bevölkerung!!! Egal, was Kultur (oder Kunst)
ist, man darf nie vergessen, was die Menschen wollen. Was interessiert
die Menschen, was interessiert die Jugend, die Senioren? Kunst oder
Kultur darf nicht an der Bevölkerung "vorbei" produziert werden!!
Resümee / Feedback
- Zu viele Reden, zu wenig Zeit für Diskussion
in den Arbeitskreisen!
- Es ist eine sehr gute Vorgangsweise, dass das
Kulturleitbild OÖ. nicht von oben herab diskutiert und vorgegeben,
sondern Interessierten die Möglichkeit, die Chance gegeben wird,
Ideen und Vorstellungen, aber auch Wünsche einzubringen und so das
Leitbild mit zu gestalten.
- Haben wir heute wirklich etwas bewirken
können? Mehr Raum für Diskussion (im Plenum), weniger
Eingangsstatements.
- Wünsche mir in Zukunft mehr
Diskussionsmöglichkeit, mehr Zeit dafür.
Zusammenfassung: kybernetika / Julius Stieber
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