Kulturleitbild Oberösterreich
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Protokoll des Workshops "Kultur - Wirtschaft - Tourismus - Sponsoring" zum Kulturleitbild OÖ., 19. Juni 2007, OÖ. Landesmuseum, Linz

Thema 1: Kultur als Standortfaktor

  • Kultur = soziale Komponente, Lebensqualität, Bildung, Freizeit, Kreativität (Kunstuniversität, Werbeagentur etc.)
  • Kulturelles Angebot als Entscheidungskriterium bei Standortauswahl: Ein wesentlicher Bestandteil der "Headquarterpolitik" liegt darin, dass sich der Leiter einer Produktionsstätte wohl fühlt in einer Region. Ein attraktives kulturelles Umfeld ist eines von mehreren Entscheidungskriterien bei der Standortwahl eines Unternehmens.
  • Imagefaktor "Kultur und Kunst": Ein wichtiger weicher Standortfaktor ist die Kultur. Für ein Unternehmen bedeuten Kunstangebote und ein attraktives kulturelles Umfeld, dass Bewegung im Land ist, und Bewegung bedeutet Fortschritt. Vision: Oberösterreich = der kreative Wirtschaftsstandort.
  • Kulturangebote für internationale Wirtschaftspartner und Mitarbeiter: Oberösterreich hat durch seine umfassende Exportpolitik - 60% der erzeugten Produkte werden exportiert - einen nicht unbedeutenden internationalen Bezug aufgebaut. Ein entsprechendes Kulturangebot für ausländische Unternehmen, Wirtschaftspartner und Mitarbeiter erzeugt daher eine positive Bewertung des Standortes Oberösterreich.
  • Sichtbarmachen des kreativwirtschaftlichen Potentials in Oberösterreich: Das kreativwirtschaftliche Potential Oberösterreichs (Bsp. Industriedesign, qualitative Firmenevents) sollte sichtbarer gemacht und weiterentwickelt werden. Eine Schwerpunktsetzung im Design kann z.B. eine bessere Abgrenzung bei Industrieprodukten erzeugen und so einen wirtschaftlichen Vorsprung im internationalen Vergleich bedeuten. Konkreter Vorschlag: Kreativwirtschaftliches Potential mit Wirtschaftskraft in einem Projekt vereinen.
  • Verstärkte Mitarbeiterbindung der Betriebe durch Kulturangebot: Mitarbeiter sollten für Kultur durch entsprechende Kulturangebote, die von den Betrieben organisiert oder bereit gestellt werden, begeistert werden. Dies wäre auch ein zusätzliches Fundament für das positive Image eines Wirtschaftstandortes.
  • Entwickeln von "Visitenkarten" für die einzelnen Regionen: Die oö. Regionen sollten eigene Images entwickeln. Die oö. Kultur sollte dabei einen wesentlichen Faktor spielen.
  • Förderung der Kooperation zwischen Kunstschaffenden und Unternehmen durch Schaffung einer Plattform für Wirtschaftstreibende und Künstler. Organisatoren, Künstler, Geschäftsführer, Personalchefs etc. müssen zusammengeführt werden.
  • Professionelles und ehrenamtliches Kulturangebot: Der Profit- und Non-Profit-Bereich existieren in Oberösterreich nebeneinander. Die gegenseitige Wertschätzung müsste allerdings gesteigert werden.
  • Kulturelle Leitprojekte Oberösterreichs sollten international sichtbarer und besser vermarktbar gemacht werden. Ebenso die oö. Kulturlandschaft als Ganzes.
  • Bei der Standortfrage muss kritisiert werden, dass viele Kulturprojekte unkoordiniert nebeneinander bestehen, anstatt sich zu vernetzen. Auch die Förderprogramme (Leader+ etc.) sollten aufeinander abgestimmt werden.
  • Kultur ist ein maßgeblicher Bestandteil der oö. Wirtschaft: Die Kulturarbeit stellt auch einen wirtschaftlichen Faktor für Oberösterreich dar. Vision: Kultur ist als maßgeblicher Bestandteil des oö. Wirtschaftspotentials im Bewusstsein der Menschen verankert.

Thema 2: Kultur & Tourismus

  • Kulturtourismuskonzept erstellen: Wohin wollen wir uns entwickeln? Strategisches Denken wäre im Kulturtourismus wichtig. Daher sollte ein Kulturtourismuskonzept für Oberösterreich erstellt werden.
  • Stichwort Planung und Vernetzung: Es passiert viel im Kulturbereich, aber die Akteure (Touristiker, Kulturanbieter) wissen zu wenig voneinander, wissen zu wenig über die Projekte des jeweils anderen. Dadurch geht Potential verloren. Touristiker müssen Bescheid wissen über das Kulturangebot ihrer Region.
  • Grund-Committement: Verzahnung zwischen Kultur und Tourismus muss bereits in der Angebotsentwicklung gegeben sein. Kultur muss sich allerdings selbst vermarkten können. Der Tourismus ist nur eine zusätzliche Entwicklungsplattform.
  • Kultur erzeugt Nachfrage: Kultur erzeugt für die Tourismuswirtschaft eine Nachfrage. Der Tourismus benötigt daher von der Kultur eine möglichst genaue inhaltliche Bestimmung, damit man weiß, wovon man spricht und was man vermarktet (Was ist Kultur im jeweils konkreten Fall? Brauchtum, Musik etc.).
  • Besucherorientierung: Kultur muss auch begeistern. Die Inszenierung von Kultur ist daher wichtig. Die Menschen sollten sich mit dem Angebot identifizieren können. Wenn man ein (Kultur-)Produkt kreiert, sollte man daher als Kulturanbieter zunächst die Zielgruppe möglichst genau definieren (Wen möchte ich ansprechen? Wen möchte ich begeistern?). Dann erst erarbeitet man gemeinsam mit dem Tourismus Konzepte.
  • Travellearning - Bildungstourismus: Den Trend zum lebenslangen Lernen könnte auch die Kulturtourismuswirtschaft besser nützen. Neben dem traditionellen Bildungstourismus (Kulturstätten, Festivals etc.) gibt es auch einen Trend zum Lerntourismus (altes Handwerk, Brauchtum etc.) als Teil des Kreativtourismus. Lernen ist Teil der Freizeit geworden. Auf das sollte man sich einstellen.
  • Kulturpakete schnüren: Bei Kulturhighlights sollten Tourismus und Kulturanbieter eng zusammenarbeiten und Überlegungen für eine optimale gemeinsame Vermarktung anstellen.
  • Kommunikation (innen - außen): Die Kulturanbieter kommunizieren ihr Angebot vor allem über Folder und Pressekonferenzen. In der vorbereitenden Phase der Marketing- und Öffentlichkeitsarbeit sollte der Tourismus stärker als bisher involviert werden.
  • Qualifizierung von Dienstleistern: Das Vermitteln von Grundkompetenzen für die Dienstleister (Gastronomie, Verkehrsmittel, Kommunen etc.) im Kulturbereich sollte verstärkt werden. So funktionierte z.B. die Zusammenarbeit mit den Stifter-Wirten, die dann zu Fragen über das Adalbert-Stifter-Jahr 2005 qualifizierte Auskunft geben konnten (was passiert wann und wo?), aufgrund eines entsprechenden Schulungsprogramms ausgezeichnet.
  • Projekt "Hospitality-City": ist ein von Linz 2009 GmbH und Tourismus organisiertes Qualifikationsprogramm für Dienstleister (vom Straßenbahnfahrer über den Taxifahrer bis hin zur Rezeptionistin). Linz kann damit seine Rolle als Gastgeber Europas ernst nehmen.
  • Vorbild Dänemark: In Dänemark existiert ein (Internet-)Portal Kultur-Wirtschaft, in das man aber nur nach vorheriger Qualifikation hineinkommt.
  • Kulturlobbyismus - in und auf allen Ebenen: Man sollte Kulturlobbying in eigener Sache betreiben, sein Licht nicht unter den Scheffel stellen ("Das musst du gesehen haben!", "Was ist schön?"). Der Funke muss auf das Publikum überspringen.

Thema 3: Kultur- & Kunstsponsoring

  • Sponsoring als Ergänzung zur öffentlichen Finanzierung: Firmen-Sponsoring kann nur eine Ergänzung der öffentlichen Kulturförderung sein, die kulturelle Grundversorgung hat der Staat zu garantieren.
  • Rahmenbedingungen für Kultursponsoring verbessern: Die Wirtschaft hat durchaus ein Interesse, in Kultur zu investieren. Sie braucht aber Anreize für das Kultur-Sponsoring, vor allem steuerliche Anreize. So könnte das Land OÖ durch das Kulturleitbild den Bund auffordern, über bessere steuerliche Anreize nachzudenken.
  • Langfristiges Sponsoring: Das Sponsoring ist derzeit projektorientiert und kurzfristig angelegt. Durch den Rost fällt eine langfristige Begleitung.
  • Imagefaktor Kultur: Wichtig wären daher Informationen und ein Bewusstsein für Imagewerte im Kulturbereich, die für Firmen interessant sein können, auch zum Aufbau einer eigenen Firmenidentität.
  • Mehr Wirtschafts-Kooperation (Sponsoringpool): Weiters wäre eine stärkere Vernetzung von Kultureinrichtungen und Wirtschaftsunternehmen im Bereich Sponsoring anzustreben. Es sollte ein Pool eingerichtet werden, in den die Wirtschaft Sponsorgelder einzahlt. Künstler könnten Projekte einreichen, wobei dann die besten Projekte aus dem Pool finanziert werden könnten. Eine weitere Möglichkeit wäre, aus diesem Pool Busunternehmer zu bezahlen, die Schulen zu einem günstigen Tarif zu Museen fahren. Oder: Die Energie AG könnte billigeren Strom + Technik für Veranstaltungen zur Verfügung stellen etc.
  • Sinnhaftigkeit von Kultursponsoring: Im Vergleich zum Sport hat Sponsoring im Kulturbereich noch keine lange Tradition. Daher muss man über die Sinnhaftigkeit von Kultursponsoring besser informieren (Kultur als Standortfaktor, Kultur schafft Lebensqualität, Kultur als Imagefaktor). Derzeit kann ein regionaler Fußballklub mit ca. 20.000 Zusehern im Jahr ein Vielfaches an Sponsorgeldern lukrieren als ein vergleichbares Museum. Darüber müsste man in der Öffentlichkeit diskutieren.
  • Einrichtung eines Universitätslehrganges für Marketing und Sponsoring an der Schnittstelle Kultur und Wirtschaft
  • Intensivere Einbeziehung der Medien: Unternehmen benötigen Medienpartnerschaften, damit sie sich werbewirksam präsentieren können.

Themen die nicht diskutiert werden konnten

  • Filmförderung - Dokumentationen!
Teilnehmer/-innen: Dir. Mag. Dr. Peter Assmann (OÖ. Landesmuseen), GF Mag. Ronald Felder (Salzkammergut Tourismus-Marketing GmbH.), Dr. Christian Freilinger (kybernetika), Mag. Günther Herzog (LIVA - Linzer Veranstaltungsgesellschaft mbH.), Mag. Ernst Miglbauer (Invent GmbH - Büro OÖ), MMag. Elisabeth Oberreiter (Kunsterzieherin), GF Wilhelm Patri (Euregio Bayerischer Wald - Böhmerwald), Dir. Wolfgang Pfeil (Oberösterreichische Versicherung AG), Mag. Dr. Stefan Pointner (Industriellenvereinigung Oberösterreich), Dr. Walter Putschögl (Linz 2009 - Europäische Kulturhauptstadt), Dr. Julius Stieber (Landeskulturdirektion), Mag. Brigitta Umstätter (Linz 2009 - Europäische Kulturhauptstadt), Oliver Weberberger (Energie AG), Mag. Eva Wieder (OÖ. Tourismus)

Zusammenfassung: Dietmar Leitner / Julius Stieber
 
 
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