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Kulturleitbild Oberösterreich | TERMINE
Protokoll der Diskussion "Kultur von und für Menschen mit
Beeinträchtigungen" zum Kulturleitbild OÖ., 20. Juni 2007,
Landeskulturzentrum Ursulinenhof, Linz
- Österreich hat im Bereich Professionalisierung
Nachholbedarf. Es gibt kein System in diesem Bereich, derzeit nur
Einzelpersonen mit Engagement.
- Frage: Wie weit kann man die ganz normalen
Kulturinstitute öffnen?
- Bildende Kunst professionalisiert sich über
Museen, Galerien etc. - also über den Kunstmarkt. Hier hat es Art
Brut in Österreich sehr schwer.
- Kunstbegriff ist in diesem Bereich (leider) noch
nicht selbstverständlich.
- Bereich Vermittlung: Hier wäre mehr notwendig,
auch in den Medien.
- In Österreich gibt es keine eigenen Galerien
für Art Brut.
- Unterstützung von professionellen Kräften
ist wichtig, damit behinderte Künstler ins Geschehen reinkommen.
- Der Kunstbetrieb kann auch eine Gefahr sein
für Künstler mit Beeinträchtigungen, da
Erwartungshaltungen aufgebaut werden.
- Die Formulierungslinie im Text des Kulturleitbildes
zum Bereich Kultur von und für Menschen mit
Beeinträchtigungen sollte möglichst global sein und nicht zu
sehr ins Detail gehen. Auch sollte man weniger die Zielgruppe als
solche hervor streichen, weil sie sonst rasch in eine
Außenseiterposition gedrängt wird, wo es doch eigentlich um
Integration geht.
- Die entsprechenden Formulierungen im Kulturleitbild
sind so wie sie sind weitestgehend in Ordnung. Man soll den einzelnen
Gruppierungen überlassen, was sie daraus machen.
- Die Globalbezeichnung "Menschen mit besonderen
Bedürfnissen" ist im Kulturleitbild zu finden. Diese Bezeichnung
ist nicht glücklich gewählt, da es generell um
unterschiedliche, individuelle Menschen geht. Das sollte betont werden.
- Wichtig wäre die Professionalisierung jener
Menschen, die mit Behinderten arbeiten.
- Stichwort Markt: Menschen sollen nicht ohne fremde
Hilfe auf den Markt gebracht werden.
- Kategorisierungen sind problematisch: Über
welche Menschen mit Behinderungen reden wir?
- Beim Kulturleitbild sollte Kultur allgemein im
Blickfeld bleiben. Man sollte nicht zu sehr ins Detail gehen (bildende
Kunst, einzelne Zielgruppen etc.).
- Lobbyismus: Das Kulturleitbild muss auch eine
Antwort finden, wie die Verteilung des Geldes geregelt wird.
- Ist das Kunst, was Art Brut ist? Diese Frage ist
nicht geklärt!
- Die Möglichkeit der Teilhabe am Kunst- und
Kulturgeschehen ist für behinderte Menschen ganz wichtig: als
Konsument und als Akteur.
- Behinderte Künstler und Kulturschaffende
brauchen keine Sonderstellung im Kulturleitbild, sondern sind in allen
Themenbereichen mitzudenken und angesprochen.
- Das Integrative Kulturfestival "sicht:wechsel"
(2007 erstmals in Linz veranstaltet) ist eine gute Initiative, besser
wäre es allerdings, wenn das hier Gebotene im Kulturalltag von
Landestheater, OÖ. Landesmuseen etc. integriert wäre.
- Stichwort Konsument: Teilhabe von behinderten
Menschen ist derzeit leider immer noch nicht garantiert (physische
Schranken etc.).Die Vermittlung in gesprochener Sprache wäre z.B.
für Blinde wichtig. Die Art der Vermittlung in Museen etc. ist
hier generell zu überdenken.
- Wie kann ich als behinderte Person meine
künstlerischen Talente entwickeln? Eine entsprechende Ausbildung
müsste bereits in der Schule beginnen - besonderes Geld wäre
dafür notwendig!
- Die Sozial- und Kulturabteilungen müssen bei
Fördervergaben und Projekten im Kulturbereich mehr
zusammenarbeiten! Man wird mit Projektanträgen oft von einer
Abteilung zur anderen geschickt, ohne dass sich jemand für
zuständig erklärt.
- Die gesellschaftlichen Zugänge sind das
Problem. Für behinderte Menschen gibt es einen Mangel an
Unterstützung und so gesehen Behinderung.
- Im Kulturleitbild fehlt ein Bekenntnis zur
multikulturellen Gesellschaft. Dieser Begriff würde den Respekt
vor verschiedenen Kulturen und Menschen generell beschreiben.
- Im Kapitel 3, der Ist-Analyse des Kulturleitbildes,
sollte man Defizite und Mängel im Bereich der
Behindertenkulturarbeit erwähnen. Sonst sollte man allerdings
allgemein von Integration reden - nicht nur bezogen auf Menschen mit
Beeinträchtigungen.
- Herzensanliegen ist Integration: Gemischte Gruppen,
die sich gegenseitig respektieren und akzeptieren, sind der Weg und das
Ziel!
- Demokratie: Das Kulturleitbild muss von allen
Gruppen gelesen werden können. Die Sprache sollte daher
verständlicher gemacht werden.
- Wichtig: Teilnahme an Kulturveranstaltungen
für alle ermöglichen (oft fehlen Mittel für Bus oder
Assistenten).
- Der oö. Veranstaltungskalender soll lesbarer
gemacht werden.
- Kulturveranstalter sollten Assistenten für
Menschen mit Beeinträchtigungen bereitstellen.
- Professionalisierung: Entsprechende
Ausbildungsangebote und Vernetzung für Menschen mit
Beeinträchtigungen sind leider nicht Realität bei uns.
- Bildung sollte auf vielfältige Art und Weise
angeboten werden!
- Der Hochleistungskünstler (Bsp. Evelyn
Glennie) ist eine eigene, besondere Kategorie: Braucht es dafür
eigene Service- und Förderbereiche?
- Projekt "Arts council England": ist ein Beratungs-
und Infoservice in England- auf Knopfdruck sind übers Internet
Informationen und Serviceleistungen abrufbar.
- Behindertenarbeit hat Fortschritte gemacht.
Kulturleitbild kann Kommunikation fördern!
- Heilpädagogik: Element der
Persönlichkeitsbildung und Talentförderung wird zu wenig
berücksichtigt.
- Das Projekt Kulturleitbild könnte Impulsgeber
für eine Vernetzung sein. Wer kümmert sich darum in der
Kulturabteilung? Wer schafft Vernetzung?
- Welche Behörde ist eigentlich zuständig
für Kunst von Menschen mit Beeinträchtigungen? Kultur-,
Sozialabteilung, Gesundheitsamt?
- Jeder Mensch hat ein Recht zu scheitern!
- Wichtiger als Kunstpreise wären
Förderungen und Stipendien
- Der Sonderstatus, der behinderten Menschen in
unserer Gesellschaft eingeräumt wird, macht Behinderte oft zu
Ausstellungsstücken!
- Es fehlt die Erwähnung der Menschenrechte im
Kulturleitbild. Sie sind die Grundlage für alles.
- Menschen mit Behinderungen sollten gefördert
werden. Das ist ein Menschenrecht, das gehört ins Leitbild. Es ist
eine Menschenrechtsverletzung, wenn Behinderte z. B. keine Ausbildung
bekommen können.
- Es sollte nicht vergessen werden auf die Ressourcen
im praktischen Bereich - Leute, die Talente begleiten, sind wichtig.
- Menschen mit Beeinträchtigungen sollten mehr
unter "normalen" Menschen sein, damit Barrieren abgebaut werden.
- Funktion Kulturleitbild: Es ist ein
Steuerungsinstrument mit Zielvorgaben. Daher sollte man konkrete
Wünsche formulieren, wie z.B. die Barrierefreiheit, um Teilhabe an
Kunst und Kultur zur Selbstverständlichkeit zu machen, oder die
Verbesserung des Dialogs zwischen behinderten und nichtbehinderten
Menschen. Projekte, die diese Zielsetzungen erfüllen, sollten
verstärkt gefördert werden.
- Die Kunst, etwas Spezielles auszudrücken,
sollte respektiert und gefördert werden.
- Wir befinden uns heuer mitten im europäischen
Jahr der Chancengleichheit.
- Eine Schauspielschule für Menschen mit
Beeinträchtigungen wäre wichtig für den Theater- und
Filmbereich.
- Die finanzielle Förderung für
persönliche Assistenten bei Ausbildungskursen wäre ebenfalls
wichtig.
- Bildende Kunst: Man sollte Bilder von Menschen mit
Behinderungen nicht nur sammeln, sondern sie auch zum Verkauf anbieten.
- Kultur mit Behinderten ist Herzensbildung und
Persönlichkeitsbildung.
- Der Begriff Integration sollte im Kulturleitbild
umfassend gedacht werden.
- Die Ausbildung von behinderten Menschen muss im
Kulturleitbild eine größere Rolle spielen.
- Vernetzung ist wichtig! Die Daten im Netz muss
allerdings jemand installieren und warten - die
Behindertenorganisationen könnten gemeinsam Vernetzung aufbauen!
Frage: Wer ist Träger? Wer finanziert?
- Es wird viel geredet, aber wie sieht die
Finanzierungsbasis in Österreich aus? In Frankreich und England
wird sehr viel mehr geleistet.
- Ein Teil der Diskussion dreht sich immer um das
Geld, aber es gibt auch andere Möglichkeiten der Verbesserung, die
wir aufgrund unserer Strukturen nicht sehen. Man sollte daher weg vom
rein institutionellen Denken mit fixen Zuständigkeiten.
- Man sollte einen Fonds gründen, der sich aus
Geldern der Kultur- und Sozialabteilung speist. Beide Abteilungen
könnten Experten und Vertreter in eine Jury entsenden, die dann
über eingereichte Projekte entscheidet.
- Wichtig ist der Begriff der
fähigkeitsorientierten Ausbildung.
- Barrierefreiheit sollte im Kulturleitbild in einem
umfassenden Sinn definiert werden.
- Kommunikationsschranken abzubauen ist wichtig!
- Quotenfrage: Eine Festschreibung von Quoten
für Kunst von behinderten Menschen in Museen, Theatern etc.
wäre zu überlegen, um einen Umdenkprozess herbeizuführen.
Teilnehmer/-innen: Dir. Mag. Dr. Peter Assmann (OÖ. Landesmuseen),
Josef Bauer (Caritas OÖ), Prof. Angelica Bäumer (Kuratorin),
Prof. Mag. Eva Bosch (OÖ. Kunstverein), Prof. Elisabeth Braun
(Festival sicht:wechsel), Prof. Peter Dimmel (Landesvorsitzender der
Gehörlosenverbände OÖ), Thomas Hackl (Fotograf), Iris
Hanousek-Mader (Evangelisches Diakoniewerk Gallneukirchen - Theater
Malaria), Maria Hojdar (Evangelisches Diakoniewerk Gallneukirchen),
Nick Kroiss (Schauspieler - Theater Malaria), Prof. Elfriede Neubauer
(Pädagogische Akademie der Diözese Linz), Mag. Peter Paar
(Verein Miteinander), Dr. Julius Stieber (Landeskulturdirektion), LAbg.
Gunther Trübswasser (Die Grünen OÖ), Prof. Richard Wall
(Schriftsteller, Kunsterzieher), (Dir. Dr. Günther Weixlbaumer
(Institut Hartheim)
Zusammenfassung: Julius Stieber
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