Kulturleitbild Oberösterreich
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Protokoll der Diskussion "Kulturelles Erbe und Volkskultur" zum Kulturleitbild OÖ., 12. September 2007, Landeskulturzentrum Ursulinenhof

Thema 1: Volkskultur - Professionalisierung des Ehrenamtes

  • Das Wort Professionalisierung ist in Zusammenhang nicht richtig, weil Professionalisierung bedeutet Job und der hat etwas mit Bezahlung zu tun. Doch gerade das Ehrenamt muss als Ehrenamt hochgehalten werden, z.B. im musikalischen Bereich, wo sich Chöre die Chorleiter nicht leisten können.
  • Andererseits spricht alles dafür, dass die Ausbildung der ehrenamtlichen Personen in den Vordergrund gestellt wird, z.B. durch entsprechende Schulung mit Fachleuten, die Ehrenamtliche für ihren Bereich ausbilden.
  • Ehrungen ideeller Art, Unterstützung materieller Art, steuerliche Vergünstigung, Orientierungshilfe für Ehrenamtliche sind ebenfalls wichtig für die Motivation und zur Unterstützung der ehrenamtlichen Arbeit.
  • Wichtig ist auch der Austausch von positiven Erfahrungen untereinander. Dafür sind die einzelnen Verbände zuständig.
  • Ein starkes Hauptamt stützt ein starkes Ehrenamt, z.B. durch die Zusammenarbeit mit der Kulturabteilung.
  • Amateurtheater OÖ: Professionalisierung und Weitergabe von Know-how an die Jugendlichen ist ein wichtiges Ziel. 300 Theatergruppen in OÖ haben große Sehnsucht von ausgebildeten Jugendlichen belebt zu werden. In OÖ soll es daher Theaterschulen für Jugendliche geben, die dort ausgebildet werden.

Thema 2: Begeisterung der Jugend für Volkskultur

  • In erster Linie steht die Vermittlung von Musik, Tanz und Volkslied im Vordergrund. Da geht es um die Frage, wie in den Kindergärten, den Familien, in allen Schulen, die die kulturellen Nahversorger Nr. 1 sind, Volkskultur vermittelt werden kann.
  • Wer  vermittelt? Lehrer vermitteln. Die entscheidende Frage ist aber, wer vermittelt den Lehrern das Know-how. Da müsste bei den Pädagogischen Hochschulen und der Kindergärtnerinnenausbildung angesetzt werden. Der aktive Volksliedschatz eines durchschnittlichen Volks- oder Hauptschullehrers ist derzeit leider minimal. Es kann aber nur durch persönliche Kompetenz der Vermittler auch etwas an die Jugend weitergegeben werden.
  • Ist "Volkskultur" zu institutionalisieren? Grundlage sollte die bestmögliche gesellschaftliche Einbindung der Jugend sein, z.B. in Vereinigungen, wo Erwachsene und Jugendliche beisammen sind. Volkskultur beginnt im Elternhaus, in der Verwandtschaft,  in den Vereinen, in der Gemeinde. Denn für jeden Menschen ist es so, dass man ohne aktive oder halbpassive Erfahrung in der Jugendzeit später keine Begeisterung für eine Sache aufbringen kann.
  • Anwendung des Gelernten in der Öffentlichkeit bzw. Gesellschaft (Familie....): Es muss schon für das Kind die Möglichkeit der Anwendung des Gelernten in der Öffentlichkeit oder in der Gesellschaft geben, damit das gelernte auch gelebte Praxis wird.

Thema 3: Volkskultur - Maßnahmen für die nächste Generation

  • Ganzheitliche Bildung fördern, mit Kopf, Herz und Hand, mit Liebe, in Schulen, Privatvereinen, Kinder auch tätig werden zu lassen. Kinder sind sehr experimentierfreudig.
  • Kontakte zwischen ansässigen volkskulturellen Verbänden (z.B. Goldhauben) und Schulen mit Projekten gemeinsam gestalten.
  • Kulturaustausch: Möglichkeit des Kulturaustauschs mit Migrantinnen und Migranten. Dabei sollten die Wurzeln der jeweiligen volkskulturellen Traditionen hervorgehoben werden.
  • Volkskultur sollte über mehrere Schienen angeboten werden, z.B. Internet, Volkskultur im Radio und Fernsehen. Die Vernetzung muss besser werden.
  • Workshops praxisnah machen, in Landschulwochen Kultur aktiver hineinbringen, z.B. in Ferienaktionen mit kulturellen Schwerpunkten. Für solche Veranstaltungen. sollte es eine finanzielle Förderung geben.
  • Frage: Wie lange muss eine Kulturgruppe in OÖ wohnen, damit ihre Kultur auch zur oö. Volkskultur gehört? Die Zusammenarbeit mit Ausländern sollte gerade in diesem Bereich gefördert werden.

Thema 4: Wie kann der Konsument von Kultur mehr eingebunden werden?

  • Frage 1: Fällt Ihnen auf, dass hier nur Verwalter und Produzenten von Kultur anwesend sind aber keine Konsumenten? Ich wäre damit nicht zufrieden!
  • Frage 2: Wenn nein, warum wundert Sie das nicht?
  • Wunsch: Kultur findet auch für ein Publikum statt und dieses sollte daher stärker in die Diskussion zum Kulturleitbild eingebunden werden.

Thema 5: Kulturelles Erbe - Digitalisierung

  • Bewusstseinsbildung für Inventarisierung: Bevor wir digitalisieren, müssen wir die Kulturgüter inventarisieren und dokumentieren. Das ist eine kulturpolitische Maßnahme! Die Inventarisierung in Museen geht jedoch derzeit sehr schleppend voran, darum braucht man von oben herab eine Bewusstseinsbildung. Auch im Sinne der Tatsache, dass das kulturelle Erbe digitalisiert werden soll uns allen gehört.
  • Schaffung eines oö. Kulturgüterkatasters: Das bedeutet, wo wirklich alle Informationen, die zu unseren Kulturgütern gehören, auch zusammen gefasst werden. Es sollte eine gerade Linie, ein einheitliches Schema durchgehen. Das betrifft nicht nur Museen, sondern auch Archive.
  • Digitalisierungsteams: Wir brauchen professionelle Teams, die die Kulturgüter in Museen usw. auch wissenschaftlich erfassen und dokumentieren können. Aber selbst wenn wir alle Objekte und Kulturgüter digitalisiert haben, brauchen wir immer noch Plätze, wo wir sie deponieren können - geeignete Depots und Räumlichkeiten, wo die Kulturgüter, die wir digitalisiert haben, mit geeigneten konservatorischen Maßnahmen auch lagern können.
  • Verknüpfung digitalisierter Datenbestände (Datenbankenverknüpfung): Digitalisierte Datenbestände sollen verknüpft, den Fachkreisen und der Wissenschaft für Forschung und Vermittlung zugänglich gemacht werden.
  • Zentrale Koordination und Datensicherung: Es muss auch eine zentrale Koordination geben und vor allem eine Datensicherung.

Thema 6: Kulturelles Erbe - Verstärkte Vernetzung, Marketingmaßnahmen etc.

  • Während des Eingangsstatements ist mehrfach die Forderung gekommen, die Themenbereiche kulturelles Erbe und Volkskultur in den Lehrplan der Schulen aufzunehmen. Wichtiger wäre jedoch, die Lehrer überhaupt für diese Themen zu sensibilisieren. Schon in der Lehrerausbildung und Fortbildung müssten diese Themen angeboten werden, damit Lehrer mehr Wissen und Freunde daran haben. Allerdings ist der Schulkulturreferent in Pflichtschulen leider verschwunden.
  • Aktion "Schule und Museum": Diese Aktion ist sehr sinnvoll, es sollten jedoch durch ein Rotationsprinzip immer wieder andere Museen zum Zug kommen.
  • Ein Wunsch wäre auch, die Museumslandschaft der Region um eine Landesausstellung bzw. 2009 rund um Linz in solche große Ausstellungen bzw. Großereignisse einzubeziehen. Grundsätzlich sollte man die Museen der Regionen teilnehmen lassen an solchen landesweit bedeutsamen Veranstaltungen.

Thema 7: Kulturelles Erbe - Denkmalpflege

  • Eine stärkere Berücksichtigung des baukulturellen Erbes im Kulturleitbild wäre zu wünschen. Denkmalpflege sollte so stark werden wie der Naturschutz heute ist. Am Erhalt des baukulturellen Erbes sollte man ebenso wenig vorbei kommen wie am Erhalt von Bäumen und an Naturschutzmaßnahmen.
  • Wichtig ist, dass das vielfältige baukulturelle Erbe erhalten bleibt, und nicht nur einzelne Kategorien. Verschwindende Kategorien, z.B. bestimmte Bauernhöfe, werden ansonsten in sehr naher Zukunft nicht mehr vorhanden sein.
  • Bewusstseinsbildung, Intensivierung der Vermittlung von Denkmalkategorien im öffentlichen Bewusstsein: Nicht nur, was allgemein als schön empfunden wird, verdient erhalten zu bleiben. Kulturelle Werte sind sehr wichtig. Sie sind mehr als Ästhetik, Baukultur und Architektur.
  • Die Bedeutung des baukulturellen Erbes soll im Hinblick auf die Menschen gewertet werden - im Hinblick auf die regionale Entwicklung, die regionalhistorische Entwicklung - und soll viel stärker im Bewusstsein und im Verhalten verankert werden.
  • Eine konkrete Maßnahme wäre, dass der Ortsbildbeirat verpflichtend gehört werden soll. Dafür müsste das Ortsbildgesetz geändert werden, die Ergebnisse des Ortsbildbeirates müssten jedoch nicht verpflichtend sein.
  • Durch die Einführung einer fachlichen Bauberatung würden auch die traditionellen Handwerkstechniken aufwertet werden, indem sie nachgefragt werden, am Bau gebraucht werden.
  • Die verpflichtende Aufnahme von Experten der Ortsbildpflege und des Denkmalschutzes im Bauverfahren wäre anzustreben.
  • Es soll im Behördenverfahren eine verpflichtende gutachterliche Stellungnahme und Vorgaben für die Bauformen im Widmungsverfahren geben.
  • Das baukulturelle Erbe sollte nicht kurzfristigen ökonomischen Interessen geopfert werden. Hier sollte man etwas längerfristig denken.
  • In Japan gibt es den Begriff der "lebenden Denkmäler". Dieser wird an Personen vergeben, die ein altes Handwerk noch beherrschen. Man könnte diesen oder einen ähnlichen Titel auch in Österreich einführen.

Thema 8: Gender-Mainstreaming im Kulturbereich und die Würdigung der weiblichen Kulturschaffenden

  • Kreative Frauen sollen gewürdigt werden durch "Ausgrabung" ihrer Werke. Die Neuauflage von literarischen Werken etc. könnte auch Online passieren. Ohne urheberrechtliche Probleme könnte man so Literatur von Frauen zur Verfügung stellen für Forscherinnen und Forscher
  • Ausstellungen bildnerischer Werke von Frauen, Denkmäler für Frauen, die in der oö. Geschichte etwas bewirkt haben, sollen forciert werden, damit man einen ungefähren Gleichstand bekommt.
  • Die letzte Gedenktafel für eine Frau in Linz stammt aus den 80er Jahren. man müsste eine aktuelle Liste erstellen.
  • Frauen, die etwas bewirkt haben, sollen auch im Unterricht besprochen werden.
  • Werke von oö. Komponistinnen sollen in allen Formen in den Landesmusikschulen gespielt werden. Radio Oberösterreich hat früher sehr viele lokale Künstlerinnen aufgenommen, Werke ausgestrahlt. Jetzt wird fast nur mehr Eventkultur ausgestrahlt.
  • Wichtig ist auch die Einbindung der klassischen und zeitgenössischen Fotographie.

Wichtige Fragen, die nicht diskutiert werden konnten

  • Kulturorte sind auch Orte des menschlichen Schicksals - Erinnerungskultur
  • Nur in Hartheim - Gestapo-Tote ohne Gedenktafel?
  • Dachformen = regional charakteristische Formen - Bauvorschrift?
  • Die Stellung der Kultur, die nicht dem oö. Boden entwachsen ist, sondern hierher "transplantiert" wurde, als "Volkskultur" ist nicht klar.

Resümee / Feedback

  • Der Austausch mit Leuten aus anderen Gruppierungen war interessant!
  • Die Veranstaltung war sehr informativ, aber dauert zu lange.
  • Jeder hatte die Gelegenheit, zu Wort zu kommen.
  • Es war toll teilzunehmen, und ich freue mich sehr, wieder dabei zu sein! Gut gemacht!
  • Hinweis auf Themen und der Gruppenarbeit wäre hilfreich gewesen!
  • Zuteilung eines "neutralen Verantwortlichen" für jede Flip-Chart - neutrale Präsentation statt eigene Meinung der Präsentatoren
  • Gruppenzuteilung war ungleich (aber wahrscheinlich beabsichtigt?)
Zusammenfassung: Julius Stieber / Birgit Resch
 
 
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