Kulturleitbild Oberösterreich
  < home Fragebogen ABR Projektteam Impressum Links Zum Geleit
 
  Kulturleitbild Oberösterreich | TERMINE
< Termine Übersicht

Protokoll der Diskussion "Zeitgenössische Kunst und Kultur" zum Kulturleitbild OÖ., 18. September 2007, OK Offenes Kulturhaus Oberösterreich

  • Beim Durchlesen des Kulturleitbildentwurfes bekommt man das Gefühl, es gibt keinen einzigen Fehler und es fehlt auch keine Forderung. Das ist gleichzeitig auch die potenzielle Schwäche des Entwurfs, denn es sind zwischen 50 und 60 konkrete Forderungen, die in den nächsten 15 Jahren durchgeführt werden sollten und das bei einer Situation, wo man im Vergleich zu anderen Bundesländern in Oberösterreich gar nicht schlecht dastehen. Da aber auch Schwerpunkte aus dem Kulturleitbildentwurf nicht wirklich ablesbar sind, beschleicht einen letztlich die Sorge, dass alles gleich wichtig ist, aber das das alles nicht dazu führt, dass diese Forderungen in den nächsten 10-15 Jahren durchgesetzt werden.
  • Das Kulturleitbild kann nicht die Schwerpunkte setzen. Es wäre zu wünschen, dass dies die Politik macht, nämlich jetzt nicht alle Parteien gleich, sondern dass man auch die Unterschiede sieht und dass die Parteien vor der Landtagswahl z.B. sagen, wenn wir was zu reden haben, dann möchten wir bestimmte Bereiche bevorzugen. Das wäre eine spannende politische Diskussion und der der Wähler hätte so auch eine Wahl.
  • Es ist ein Problem für die zeitgenössischen Kulturvereine, dass die alten Vereinsmeier aussterben und die Jugend nicht mehr nach kommt. Ein Anliegen wäre es daher, die Jugend noch besser für Kunst und Kultur zu motivieren kann. Vielleicht betreiben wir die falsche Kultur, die falsche Kunst für die Jugend. Ein Wunsch wäre, dass wir eine bessere Kommunikation mit der Kunsthochschule hätten, eine noch bessere Kommunikation mit der Linzer International School, mit den Kirchen und Religionsgemeinschaften. Außerdem soll der Kunstunterricht im Lehrplan stärker verankert werden. Die jungen Menschen sollten sich viel stärker mit Kunst identifizieren. Dann wird sich Jugendliche möglicherweise auch stärker im Kultur- und Kunstbetrieb ehrenamtlich engagieren.
  • Man soll sich vor der grundsätzlichen Frage, was denn eigentlich mit dem Kulturleitbild passiert und wie die Politik damit umgeht, nicht drücken. Das muss diskutiert werden. In dieses Leitbild könnte man ja noch viele andere Forderungen und neue Ideen hinein schreiben und es so unendlich ausweiten. Aber der entscheidende Punkt ist, was passiert dann damit? Leider ist es in der derzeitigen kulturellen Praxis so, dass selbst bei Projekten, die der Landeskulturbeirat einstimmig beschlossen hat bzw. eine Empfehlung für eine bessere Förderung abgegeben hat, es bis heute seitens der Kulturverwaltung oft überhaupt keine Reaktion gibt. Welchen Sinn macht es dann aber, dieses Leitbild zu diskutieren und großartige Anregungen einzubringen, wenn im Endeffekt die Politik einfach irgendetwas entscheidet? Man kann sich natürlich immer wieder in gemütlichen Runden zusammensetzen und ausführlich über die Kultur diskutieren, aber in diesem Fall ginge es ja vor allem darum, dass die eingebrachten Ideen von der Politik umgesetzt werden.
  • Kulturpolitik ist zu 90 % Verteilungskampf. Es hat einmal einen sehr guten Bericht über die Wiener Theaterlandschaft gegeben. Wien leidet ja gewissermaßen darunter, dass es 300 private Theater gibt. Das Motto des Berichtes war daher auch: "Für alle zu wenig". Der Verteilungskampf wird uns in Zukunft noch viel mehr beschäftigen. Geklagt wird ja, dass das Geld für die einzelnen Projekte immer weniger wird. Das ist nur in dem Ausmaß richtig, wenn man sagt, das Geld wird mit dem "Gießkannenprinzip" aufgeteilt. Es kann aber leider nicht in dem Maße das Budget wachsen als die Bedürfnisse wachsen, und daher wird immer zu wenig Geld da sein. Was kann in dieser Frage das Kulturleitbild bewirken? Derzeit werden Entscheidungen pro oder kontra einer Gruppe/Sparte/Kunstrichtung in der Hauptverantwortung des Kulturreferenten getroffen. Die Öffentlichkeit diskutiert relativ wenig mit. Es sollte daher Ziel dieser Diskussion und des Kulturleitbildes sein, dass dieser Verteilungskampf offener statt findet. So ist z.B. der Förderbericht des Landes OÖ. nun im Internet, vorerst als Prototyp. Das heißt, man wird in Zukunft nachlesen können, wo das Geld hingeht. Diese öffentliche Diskussion ist zwar für die Politik nicht angenehm, weil man natürlich nachlesen kann, was ist gemacht worden mit dem öffentlichen Geld, wo ist das hingegangen, was wird verstärkt gefördert, was wird zu wenig gefördert, aber diese Diskussion muss geführt werden. Die Öffentlichkeit und die Politiker müssen sich daran gewöhnen, dass die Verteilung der Gelder kritisiert wird. Die Politik kann dann dazu Stellung nehmen.
  • Es ist auch davon auszugehen, dass aufgrund der Kulturleitbilddiskussion die Landtagswahlprogramme 2009 der einzelnen Parteien um ein wesentliches Kapitel erweitert werden, nämlich um das Kapitel Kulturpolitik. Und wenn man dann eine bestimmte Partei wählt, dann weiß man auch, sie hat das und das vor und das kann man einfordern. Eine objektive Kulturpolitik jedoch gibt es nicht, sie wird immer subjektiv sein. Man kann nur mehr Ernsthaftigkeit verlangen, aber nicht auf politischer Ebene zu bestimmen versuchen, was Qualität in der Kunst, in der Musik etc. ist. Dass diese Kulturleitbilddiskussion so breit geführt wird, mit Leidenschaft und Engagement, das kann man aber auf alle Fälle für ein Qualitätszeichen dieses Land halten.
  • In Oberösterreich sind zahlreiche afrikanische Vereine, aber der Kontakt ist immer noch gering untereinander und zur Landeskulturverwaltung. Die Kulturleitbilddiskussionen soll daher verbreitert werden. Bis jetzt haben die afrikanischen Vereine Kontakt untereinander über die Black Community - mehr als 10 verschiedene afrikanische Vereine.
  • Der Diskussion und dem Engagement um die Kultur in Oberösterreich gebührt großer Respekt. Diese offene Diskussion um das Kulturleitbild stellt eine große Qualität dar. Der Entwurf selbst hat eine große Offenheit, die größtmögliche Offenheit, die man erreichen kann. Man kann sich nur wünschen, dass dies auch in die Kulturförderung, die ja daraus resultieren sollte, hineinragen wird, dass dadurch eine größtmögliche Flexibilität, der größtmögliche Pluralismus erreicht werden wird. Zu wünschen wäre, dass sich diese Form von Diskussion weiter trägt, dass ein Reflektieren während der Umsetzungsprozesse sich weiter ereignen kann.
  • In der Diskussion ist immer wieder von der Förderung professioneller Kunst und Kultur gesprochen worden. Es fehlen jedoch die Kriterien, wer das eigentlich beurteilt und bestimmt? Was ist professionell und was nicht? Da müsste man in der Schule ansetzen. Leider hat sich aber in den letzten 10 Jahren die Meinung nicht geändert, dass man mit Schülern in kein Museum gehen kann, und das wird sich auch in den nächsten 10 Jahren nicht ändern. Es müsste jedoch in den Schulen begonnen werden, bildnerische Erziehung so zu unterrichten, wie es sich gehört. Die Lehrer müssten entsprechend gut ausgebildet werden, um Schüler unterrichten zu können und erklären zu können, was Kunst ist und was nicht.
  • Das was über die Fortbildung der Lehrer im Bereich der bildnerischen Erziehung gesagt wurde, ist ein kompletter Unsinn. Aus der Lehrerfortbildung weiß man, dass es nicht so ist, dass Lehrer nicht wüssten, was zeitgenössische Kunst ist. Was darüber hinaus nicht klar ist, ist, wie in Form eines Kulturleitbildes eine Möglichkeit geschaffen werden soll, in die Lehrpläne der Schulen die zeitgenössische Kunst einzuschleusen.
  • Es ist bezeichnend, dass gerade in dieser Runde keine Jugendlichen vertreten sind. Sollte es nicht so sein, dass Jugendliche noch viel mehr in diesen Prozess einbezogen werden sollten? In Niederösterreich gibt es z.B. einen Jugendkulturbeirat. Dort entscheiden Jugendliche, ob Projekte gefördert werden oder nicht. Da gibt es keinen Kulturbeamten oder Landeshauptmann, der dort korrigierend eingreifen kann, sondern diese Jugendlichen, die offensichtlich auf Budgetmittel Zugriff haben, verfügen und verteilen, können wirklich autonome Entscheidungen treffen. Vielleicht könnte man so etwas in Oberösterreich auch einführen. Jugendlichen sind sehr kreativ und aktiv und engagieren sich auch gerne, wenn sie in ihren Anliegen ernst genommen werden. Man muss ihnen vor allem die Möglichkeit geben, sich selbstständig auszudrücken.
  • Es wird leider viel zu wenig für die Kultur seitens der Bildungspolitik getan. Es ist Tatsache, dass in höheren Schulen der Unterricht "Bildnerische Erziehung" teilweise abgeschafft wird und mit anderen Themen ersetzt wird. Von der Politik wird außerdem immer wieder Kritik an zeitgenössischer Kunst geübt. Es ist immer wieder ein Einmischen von oben. Jugendliche werden möglicherweise auch dadurch gehindert, sich für Kunst mehr zu interessieren.
  • Wird im Kulturleitbild auch die Wirtschaft als Sponsor vorkommen? Dass Künstler und Kunst auch für die Wirtschaft ein interessantes Thema sein könnten?
  • Es ist angeregt worden, dass Experten in die Kulturausschüsse der Gemeinden mit Stimmrecht kommen sollen. Das ist eine Frage der Gemeindeordnung, wo momentan nicht vorgesehen ist, dass Ausschüsse öffentlich sind. Man kann zwar Experten beiziehen, die aber dann kein Stimmrecht haben. Ähnliches gilt für die gendergerechte Besetzung von Kulturausschüssen. Die werden laut Gemeindeordnung von den Parteien beschickt. Da ist es immer schwer, eine Parität zu Stande zu bringen, weil die Zusammensetzung erst am Ende dieses Prozesses sichtbar ist.
Zusammenfassung: Julius Stieber / Birgit Resch
 
 
  © 2006/07 Amt der oö. Landesregierung, Landeskulturdirektion . Promenade 37 . A-4021 Linz . ++43 +70 7720 14875
Land OÖ